Blutige Nasen an der Wiener Börse

12. Oktober 2002, 20:49
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Aktienkurse purzelten nach unten - Telekom Austria, VA Tech und BWT im Minus - Investoren mit langem Atem gesucht

Wien - Die Börsenmisere zieht immer weitere Kreise - so auch am Wiener Aktienmarkt. Blutige Nasen holten sich die Anleger in dieser Woche bei nahezu allen Werten. Nichts zu lachen hatten sie vor allem bei Telekom Austria, VA Tech und BWT, wo die Kurse 10 bis 20 Prozent in den Keller rasselten. Im Wochenvergleich gab der ATX, der Index der 20 wichtigsten österreichischen Aktien, nach turbulentem Verlauf um 2,9 Prozent auf 1.014,12 Punkte weiter nach.

Am Mittwoch und Donnerstag rutschte der ATX zwischenzeitlich sogar unter die psychologisch wichtige 1.000er Marke und damit erstmals seit Oktober 2001 in den dreistelligen Bereich ab, ehe sich der Index gegen Wochenschluss erholen konnte.

Trotz des allgemein schlechten Börsenklimas sieht die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) gute Chancen für Investoren mit langem Atem. "Jetzt ist ganz sicher ein gutes Niveau um einzusteigen", so BA-CA-Chefanalyst Alfred Reisenberger. Selbst wenn die Kurse kurzfristig weiter nachgeben sollten, prophezeit Reisenberger einen 5- bis 6-prozentigen Anstieg des ATX bis Jahresende.

Der Experte hält heimische Titel nach dem jüngsten Kursgewitter, das hauptsächlich auf die "schlechte volkswirtschaftliche Großwetterlage" und das Damoklesschwert eines sich abzeichnenden Irak-Kriegs zurückzuführen sei, für "unterbewertet". Unterstützend sollte nun vor allem das hohe prognostizierte Gewinnwachstum der ATX-Werte wirken: Für kommendes Jahr erwartet Reisenberger um 27,5 Prozent höhere Erträge, die 2004 um weitere 15,4 Prozent steigen sollten.

Dessen ungeachtet ging es bei VA Tech zuletzt weiter deutlich nach unten, bis Mittwoch befand sich der Titel mit rund 20 Prozent Minus im freien Fall. Im Wochenverlauf büßten VA Tech fast 11 Prozent ein. VA Tech-Konzernchef Erich Becker sieht "kurzfristig" keine Trendwende. Den Hauptgrund für den Kursverfall ortet Becker darin, dass im miserablen Börsenumfeld "manche Fonds dazu übergangen sind, gleich alle Anlagenbauer rauszuschmeißen". Fundamental gebe es weiter - wie seit zwei Monaten - keine Neuigkeiten, wie er betonte.

Massiv unter Druck stand auch die Aktie der Telekom Austria (TA), die 9,5 Prozent an Wert verlor. Wiener Händler machten Aussagen der SPÖ-Spitze zur weiteren Privatisierung der ÖIAG-Unternehmen dafür verantwortlich. Die SPÖ will im Fall einer Regierungsbeteiligung einen Privatisierungsstopp verfügen. International gebe es derzeit keinen großen Druck auf die "Telekoms", erklärten Marktteilnehmer.

Der Wasseraufbereiter BWT, der unter der Konjunkturflaute am wichtigen deutschen Markt leidet, hat seine zu optimistischen Erwartungen für 2002 überraschend nach unten und eine Umsatz- und Gewinnwarnung ausgegeben. Die Aktie, seit Wochen bereits stark unter Druck, stürzte um knapp 20 Prozent ab.

Vom Stimmungstief an den Weltbörsen erfasst wurden in der abgelaufenen Woche vor allem auch Mayr-Melnhof, BBAG, RHI, AUA, Palfinger, Andritz und Wienerberger, hier betrugen die Kursrückgänge bis zu 7,5 Prozent. Einen nennenswerten Wochengewinn konnten lediglich UNIQA (plus 1,8 Prozent) und Flughafen Wien (+4,2 Prozent) einfahren.

Die zehn größten Kursgewinner und -verlierer der Woche

Gewinner:

1. HEID +20,00 Prozent
2. HYPOVEREINSBANK +14,70 Prozent
3. FLUGHAFEN WIEN +4,22 Prozent
4. DEUTSCHE BANK +3,63 Prozent
5. BAUHOLDING STRABAG +3,11 Prozent
6. EB HYPO BGLD VORZUG +2,44 Prozent
7. UNIQA +1,77 Prozent
8. INVESTKREDIT +1,09 Prozent
9. BURGENLAND HOLD. +0,75 Prozent
10. CA IMMOB. ANLAGEN +0,56 Prozent

Verlierer:

1. AGRA TAGGER -42,86 Prozent
2. BWT -19,92 Prozent
3. WOLFORD -11,08 Prozent
4. VA TECHNOLOGIE -10,96 Prozent
5. HEAD N.V. -10,71 Prozent
6. TELEKOM AUSTRIA -9,51 Prozent
7. WIENERBERGER -7,48 Prozent
8. JOWOOD -6,46 Prozent
9. UNTERNEHMENS INV -5,50 Prozent
10. LENZING -5,21 Prozent
(APA)

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