Zweiter Börsengang der Telekom Austria wird vertagt

11. Oktober 2002, 18:29
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Telecom Italia will TA-Anteile privat verkaufen - mit Infografik

Wien/Mailand - Was im Sommer am Widerstand in Rom scheiterte, steht in wenigen Wochen erneut auf der Agenda: Der Teilverkauf des 29,8- Prozent-Aktienpakets, das Telecom Italia (TI) an Telekom Austria (TA) hält. Wie DER STANDARD in Erfahrung brachte, ist dabei jedoch nicht an einen zweiten Börsengang gedacht, sondern an ein so genanntes Private Placement, also den Verkauf kleinerer Anteilspakete an institutionelle Investoren. "Das geht schnell, es kann an einem Nachmittag abgeschlossen sein", heißt es in Unternehmenskreisen.

Nicht sinnvoll

Die Ausgabe weiterer Publikumsaktien sei angesichts der weltweiten Talfahrt der Börsen nicht sinnvoll, Aufwand und Erlös stünden in keiner Relation. TI hatte sich bereits im Juni erfolgreich gegen ein öffentliches Anbieten gestemmt, nun hat offenbar auch der zweite TA-Großaktionär, die Staatsholding ÖIAG, nicht mehr darauf gedrängt. Ihre im Syndikatsvertrag verbrieften weit reichenden Mitbestimmungsrechte haben die Italiener, wie berichtet, mit dem Verkauf ihres 25-Prozent-Anteils an der Mobilkom ohnehin schon verloren. Damit wird die Hoffnung der Wiener Börse enttäuscht, der Streubesitz (derzeit knapp 24 Prozent) des Indexschwergewichts würde bald erhöht. Allerdings werde die "Volksaktie" wenigstens vom Druck eines der beiden Hauptaktionäre entlastet.

ÖIAG: "Sind die falsche Adresse"

Die ÖIAG ist davon nur am Rande betroffen: Sie darf vor Herbst 2003 von ihren 47,2 Prozent Anteil nur maximal fünf Prozent abgeben, da die TI Vorrang hat. Die ÖIAG will weder über die bei der TA angelaufene verbindliche Betriebsprüfung (Due Diligence) informiert sein, noch vom geplanten Zeitpunkt der Veräußerung. "Wir sind die falsche Adresse für eine Auskunft", sagt ÖIAG-Sprecherin Viktoria Kickinger zum STANDARD.

Das wird in TA-Kreisen als Bestätigung interpretiert, dass der zweite Börsengang auf Eis gelegt wurde. Der Zeitpunkt für den Verkauf - TI will um maximal 15 Prozent reduzieren - sei zwar nicht optimal. Ein Preis von sieben bis 7,5 Euro pro Aktie sei aber erzielbar, hofft man in Unternehmenskreisen in Mailand. Schließlich liefere die TA gute Zahlen, führe den Branchenindex an und liege bei der Restrukturierung über Plan. Ob diese Erwartung erfüllt wird, muss bezweifelt werden, denn am Donnerstag stürzte die TA- Aktie um mehr als sechs Prozent auf 7,45 Euro ab.

TA übt sich in eisernem Schweigen

Bei der TA selbst herrscht ebenso wie beim Verkäufer Telecom Italia eisernes Schweigen. TI-Konzernchef Marco Trochetti Provera bestätigte Freitag gegenüber dem STANDARD, dass TI mit ihren TA-Anteilen nichts unternehmen werde, was den Markt bewege. Ein öffentliches Verkaufsangebot an der Börse schloss er damit aus. Er dementierte aber nicht, dass TI einen Teil seiner Anteile im Rahmen eines "private placement" verkaufen könne. "Wir haben bei der TA jegliche Handlungsfreiheit." Abgesehen von den TA-Anteilen hat die TI sämtliche nicht strategischen Beteiligungen veräußert. Der Konzernchef schloss neuerliche Engagements im Ausland jedoch nicht aus. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 12.10.2002)

Von Thesy Kness-Bastaroli und Luise Ungerboeck

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Telekom Austria

  • Telecom Italia auf dem Rückzug.

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    grafik: der standard

    Telecom Italia auf dem Rückzug.

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