Zweiter Börsengang der Telekom Austria wird vertagt

11. Oktober 2002, 17:53
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Der Börsegang zum Ausstieg der Telecom Italia aus der Telekom Austria wurde überraschend abgesagt

Der Börsegang zum Ausstieg der Telecom Italia aus der Telekom Austria wurde überraschend abgesagt. Bis zu 15 Prozent ihres Anteils an der TA will TI jetzt direkt an institutionelle Investoren verkaufen.

Private Placement statt Börsengang

Was im Sommer am Widerstand in Rom scheiterte, steht in wenigen Wochen erneut auf der Agenda: Der Teilverkauf des 29,8-Prozent-Aktienpakets, das Telecom Italia (TI) an Telekom Austria (TA) hält. Wie "Der Standard" in Erfahrung brachte, ist dabei jedoch nicht an einen zweiten Börsengang gedacht, sondern an ein so genanntes Private Placement, also den Verkauf kleinerer Anteilspakete an institutionelle Investoren. „Das geht schnell, es kann an einem Nachmittag abgeschlossen sein“, heißt es in Unternehmenskreisen.

Publikumsaktien derzeit nicht sinnvoll

Die Ausgabe weiterer Publikumsaktien sei angesichts der weltweiten Talfahrt der Börsen nicht sinnvoll, Aufwand und Erlös stünden in keiner Relation. TI hatte sich bereits im Juni erfolgreich gegen ein öffentliches Anbieten gestemmt, nun hat offenbar auch der zweite TA-Großaktionär, die Staatsholding ÖIAG, nicht mehr darauf gedrängt. Ihre im Syndikatsvertrag verbrieften weit reichenden Mitbestimmungsrechte haben die Italiener, wie berichtet, mit dem Verkauf ihres 25-Prozent-Anteils an der Mobilkom ohnehin schon verloren. Damit wird die Hoffnung der Wiener Börse enttäuscht, der Streubesitz (derzeit knapp 24 Prozent) des Indexschwergewichts würde bald erhöht. Allerdings werde die „Volksaktie“ wenigstens vom Druck eines der beiden Hauptaktionäre entlastet.

ÖIAG nur am Rande betroffen

Die ÖIAG ist davon nur am Rande betroffen: Sie darf vor Herbst 2003 von ihren 47,2 Prozent Anteil nur maximal fünf Prozent abgeben, da die TI Vorrang hat. Die ÖIAG will weder über die bei der TA angelaufene verbindliche Betriebsprüfung (Due Diligence) informiert sein, noch vom geplanten Zeitpunkt der Veräußerung. „Wir sind die falsche Adresse für eine Auskunft“, sagt ÖIAG-Sprecherin Viktoria Kickinger zum "Standard". Das wird in TA-Kreisen als Bestätigung interpretiert, dass der zweite Börsengang auf Eis gelegt wurde. Der Zeitpunkt für den Verkauf - TI will um maximal 15 Prozent reduzieren - sei zwar nicht optimal. Ein Preis von sieben bis 7,5 Euro pro Aktie sei aber erzielbar, hofft man in Unternehmenskreisen in Mailand. Schließlich liefere die TA gute Zahlen, führe den Branchenindex an und liege bei der Restrukturierung über Plan. Ob diese Erwartung erfüllt wird, muss bezweifelt werden, denn am Donnerstag stürzte die TA-Aktie um mehr als sechs Prozent auf 7,45 Euro ab.

"Wir haben Handlungsfreiheit"

Bei der TA selbst herrscht ebenso wie beim Verkäufer Telecom Italia eisernes Schweigen. TI-Konzernchef Marco Trochetti Provera bestätigte Freitag gegenüber dem "Standard", dass TI mit ihren TA-Anteilen nichts unternehmen werde, was den Markt bewege. Ein öffentliches Verkaufsangebot an der Börse schloss er damit aus. Er dementierte aber nicht, dass TI einen Teil seiner Anteile im Rahmen eines „private placement“ verkaufen könne. „Wir haben bei der TA jegliche Handlungsfreiheit.“ Abgesehen von den TA-Anteilen hat die TI sämtliche nicht strategischen Beteiligungen veräußert. Der Konzernchef schloss neuerliche Engagements im Ausland jedoch nicht aus.(Luise Ungerboeck/Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Printausgabe vom 12./13.10,2002)

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    foto: standard

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