Lebenserwartung bei Krebspatienten höher als erwartet?

12. Oktober 2002, 20:00
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Deutscher Wissenschafter Brenner hält Statistiken für "oft veraltet und zu pessimistisch"

London - Die Lebenserwartung für viele Krebspatienten ist einer Studie zufolge deutlich höher als bisher angenommen. Die vorliegenden Statistiken seien "oft veraltet und zu pessimistisch", erklärt der Wissenschafter Hermann Brenner in einer Studie, die am Samstag im britischen Fachblatt "The Lancet" erscheint.

Als Grund nennt der Abteilungsleiter des Deutschen Zentrums für Alternsforschung an der Universität Heidelberg die statistische Vorgehensweise: Werde die Lebenserwartung wie üblich nach dem so genannten Kohortenprinzip für einen kompletten Geburtsjahrgang berechnet, dann bleibe der aktuelle medizinische Fortschritt unbeachtet, bemängelt Brenner. Zudem könnten nur schwer Vorhersagen gemacht werden.

Betrachte man aber die Querschnittsdaten einer ganzen Periode, dann steige etwa die Wahrscheinlichkeit, eine Krebsdiagnose um 20 Jahre zu überleben, um bis zu zehn Prozent. Ärzten könnte dies helfen, ihren Patienten für eine Behandlung Mut zu machen.

Basis der Ausage

Brenner wertete für seine Studie Datensätze des Nationalen US-Krebsinstituts aus. Nach der Kohortenanalyse haben Krebspatienten im Durchschnitt eine 62-prozentige Chance, noch fünf Jahre zu leben, aber nur eine 40-prozentige Chance, noch 20 Jahre zu leben. Bei der Periodenanalyse steigen diese Werte auf 63 beziehungsweise 51 Prozent.

Bei verbreiteten Krebsarten wie Haut- oder Prostatakrebs liegen die Werte der Studie zufolge noch besser. Die Berechnung einer aktuellen Lebenserwartung sei "keine akademische Übung", betont Brenner. "Sie könnte Ärzten und Patienten helfen, eine unangemessene Entmutigung zu vermeiden." (APA)

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