Neue Kriegsangst stoppt Ölpreisrückgang

11. Oktober 2002, 14:34
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OPEC-Treffen am Wochenende

Wien - Der leichte Rückgang der internationalen Ölpreise in den vergangenen Tagen ist am Freitag mit der Ermächtigung des US-Kongresses zu möglichen Militärschlägen gegen den Irak vorerst gestoppt. Die meistgehandelte Ölsorte Brent (zur Lieferung im November) legte bis Freitagmittag in London um 28 Cents auf 28,02 Dollar je Barrel (159 Liter) zu. Sollten die USA einen Angriff auf den Irak nicht explizit ausschließen, erwarten Analysten für die nächsten drei bis sechs Monate eine anhaltende "Kriegsprämie" von vier bis fünf Dollar je Barrel. Ohne die derzeitige Kriegsangst würde der Ölpreis nach Einschätzung der Analysten zwischen 20 und 24 Dollar pendeln.

Angesichts der weiterhin angespannten Lage am Ölmarkt will die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) kommendes Wochenende in Doha informelle Gespräche über die Entwicklung des Ölpreises und des derzeitigen Produktionsniveaus führen, hieß es am Freitag aus Kreisen des OPEC-Generalsekretariats in Wien. Teilnehmen sollen unter anderem OPEC-Präsident Rilwanu Lukman und -Generalsekretär Alvaro Silva Calderon sowie die Ölminister Algeriens, Chakib Khelil, und der Vereinigten Arabischen Emirate, Obeid Al-Nasseri.

Auch wenn keine Erhöhung der Fördermengen geplant sei, werde man nach dem starken Ölpreisanstieg über den Markt diskutieren, so die Quelle im Generalsekretariat. Die OPEC strebt einen Ölpreis zwischen 22 und 28 Dollar je Fass an.

Angebot wird knapp gehalten

Während die OPEC die Ölpreissteigerungen vor allem auf einen möglichen Krieg in Irak zurückführen, verweist die Internationalen Energie-Agentur (IEA) darauf, dass die Produzentenländer das Angebot knapp hielten. Damit würden Ölunternehmen davon abgehalten, wegen der hohen Preise Lagerbestände aufzubauen, da mittelfristig wieder mit Preisrückgängen gerechnet wird. So sind laut IEA die Ölbestände in den OECD-Ländern mittlerweile auf 2,62 Mrd. Barrel gefallen, in den USA liegen sie mit 270,7 Mill. Barrel auf dem niedrigsten Wochenstand seit 1979.

Die Nachfrage am Markt ist unterdessen weiterhin gering. Die schleppende Konjunkturerholung bremst nach Angaben der IEA die weltweite Nachfrage nach Öl. Die anhaltend hohen Ölpreise drückten zunehmend den Verbrauch im Verarbeitenden Gewerbe und in der Schwerindustrie, teilte die Agentur am Freitag in Paris mit. (APA/Reuters/vwd)

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