Raiffeisens Abfertigungskasse mit Garantiezins

11. Oktober 2002, 14:29
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Rothensteiner setzt "Überlebensfähigkeit" der Kassen bei Fünftel des Marktes an

Wien - Neun "Abfertigungskassen" wurden bisher in Österreich gegründet. Die ÖVK Vorsorgekasse AG als Mitarbeitervorsorgekasse von Raiffeisen - ein Joint Venture von Raiffeisen Zentralbank (RZB), UNIQA Versicherung und ÖPAG Pensionskasse - ist für Jänner 2003 startklar und hat am Freitag angekündigt, als einziger Anbieter neben der gesetzlichen 100-prozentigen Kapitalgarantie auch eine Zinsgarantie abzugeben. Wegen der schwachen Börselage werden bei der ÖVK die Veranlagungen zunächst überhaupt nicht in Aktien direkt investiert, auch in Zukunft soll der Aktienanteil auf 10 Prozent beschränkt bleiben.

Drei Prozent garantiert

Vorrangig werde in nationale und internationale Anleihen, Investmentfonds, Festgeld bei erstklassigen inländischen Banken sowie Darlehen an Bund und Bundesländer veranlagt. Für das erste Jahr - bis Ende 2003 - bietet die ÖVK einen Garantiezinssatz von drei Prozent, der jährlich neu festgesetzt wird. Bessert sich das Marktumfeld, werde die Verzinsung höher ausfallen. "Aus diesem Veranlagungs-Mix erwarten wir doch eine Rendite, die um einen Prozentpunkt über dem Geldmarkt liegt", schätzt ÖVK-Vorstandschef Nicolaus Hagleitner.

"Wir streben einen Marktanteil von mindestens 20 Prozent an", sagt RZB-Chef Walter Rothensteiner. Dies entspricht in etwa dem Marktanteil der Raiffeisen-Geldgruppe im Bankgeschäft. Ein Profitgeschäft wird dieses Engagement für die Anbieter wohl noch geraume Zeit nicht. Rothensteiner erwartet den Breakeven "seiner" Vorsorgekasse erst in acht bis neun Jahren nach dem Start. "Aber wir können so ein Produkt natürlich nicht auslassen."

"Drei bis vier werden übrigbleiben"

Mit Blick auf die Gesamtbranche steckt Rothensteiner auch gleich die Grenzen des Marktes ab: Unter 20 Prozent Marktanteil sieht er für keine Vorsorgekasse langfristig Überlebenschancen. Man brauche ausreichend kritische Masse, um die Kosten zu verdauen. Deshalb dürften "am Ende des Tages wohl nur drei bis vier übrigbleiben." Rothensteiner schließt zudem nicht aus, dass der Gesetzgeber am Abfertigung-Neu-Modell im Lauf der Zeit noch einiges ändern wird. Dazu verwies er u.a. auf Forderungen der Wirtschaftskammer nach einer "Unternehmerabfertigung". Zur Akquisition von Erstabschlüssen seien jetzt drei bis vier Monate Zeit, "dann ist der Markt zu 80 Prozent ausgereizt", schätzt man bei der ÖVK.

Aktionäre der von der Raiffeisen-Allfinanzgruppe gegründeten Abfertigungskasse (Eigenkapital zum Start: 5,5 Mill. Euro) sind heute zu 65 Prozent die Raiffeisen Zentralbank, zu 25 Prozent die UNIQA Versicherungen AG und mit 10 Prozent die ÖPAG Pensionskassen AG. Da auch die Raifeisenlandesbanken einsteigen sollen, wurden für sie aus der jetzigen RZB-Quote 15 Prozent reserviert.

Gespeist werden die Kassen ab 2003 aus jenen Beiträgen, die Arbeitgeber für Neubeschäftigte (ab Jänner 2003) einzahlen. Der monatliche Betrag beträgt 1,53 Prozent des Bruttolohns des jeweiligen Beschäftigten. Ziel ist zudem, dass in die neuen Kassen auch in großem Stil Ansprüche aus bestehenden Abfertigungsverträgen übertragen werden. Die Kassen heben bei Ersteinzahlung eine Verwaltungsgebühr ein, die bei der ÖVK 3,5 Prozent beträgt, in den Folgejahren wird auch noch die Vermögensverwaltungsgebühr von 1 Prozent fällig, die sich ab 2005 auf 0,8 Prozent reduziert. Im Startjahr der ÖVK wird durch den Garantiezins de facto zumindest die Einmalgebühr abgedeckt. (APA)

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