300 ungarische Holocaust-Opfer reichen Entschädigungsklagen ein

11. Oktober 2002, 14:00
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Wertsachen wurden im "Goldzug" kurz vor Kriegsende nach Österreich gebracht

Budapest/Wien - Etwa 300 ungarische Holocaust-Überlebende haben bisher Entschädigungswünsche für ihre im Zweiten Weltkrieg im so genannten "Goldzug" nach Österreich transportierten Wertsachen angemeldet. Das berichtet die ungarische Tageszeitung "Magyar Hirlap" am Freitag mit Berufung auf die Vereinigung der Jüdischen Kultusgemeinden Ungarns (Mazsihisz), bei der die Anträge eingegangen waren. Ende August hatte ein Gericht im US-Bundesstaat Florida den Überlebenden das Recht zugestanden, den amerikanischen Staat auf Entschädigung für ihre gestohlenen Güter zu klagen.

Der so genannte "Goldzug" war ein Transport von geraubten Wertsachen ungarischer Juden, die kurz vor Kriegsende von Ungarn nach Österreich gebracht wurden. Im Mai 1945 wurde der Zug von US-Truppen bei Salzburg beschlagnahmt. Nach dem Krieg wurden die Güter - darunter Gold, Schmuck, Teppiche, Kunstgegenstände und religiöse Gegenstände - nicht an die ursprünglichen Besitzer, die von den Amerikanern für "unidentifizierbar" erklärt wurden, zurückerstattet, sondern zum Großteil zu Gunsten von jüdischen Organisationen versteigert. Bereits während der Lagerung der Schätze in Österreich bereicherten sich nach einem Bericht von Historikern jedoch auch etliche US-Offiziere und Soldaten an den Schätzen.

In einem Bericht von "Magyar Hirlap" vom Mittwoch äußerten sich Mazsihisz-Vertreter skeptisch, dass die Entschädigungsklagen in den USA gute Chancen hätten. Es sei heute sehr schwierig nachzuweisen, wem welche Gegenstände geraubt worden seien. Es habe zwar 1944 bei der Beschlagnahme jüdischen Besitzes in Ungarn Listen und sogar Übernahmebescheinigungen gegeben, doch in den Zug seien die Gegenstände bereits in völligem Durcheinander geladen worden. Die Mazsihisz werde sich trotzdem bemühen, jenen Holocaust-Überlebenden, die eine Entschädigungsklage gegen die USA einreichen wollen, zur Seite zu stehen, heißt es in dem Bericht. (APA)

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