Ökostrom: Diskussion um Einspeistarife

11. Oktober 2002, 13:52
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Branche lehnt Vorschlag der E-Control ab und sieht sich in ihrem Bestand gefährdet

Wien - Die Einspeisetarife für Strom aus erneuerbaren Energiequellen (Biomasse, Wind, Photovoltaik, Kleinwasserkraft etc) sorgen für heftige Diskussion. Auf wenig bis gar keine Gegenliebe bei den Betreiben von Ökoenergieanlagen stößt der derzeit vorliegende Vorschlag der heimischen Stromregulierungsbehörde E-Control. Der Umweltdachverband und die Interessenvertretungen IG Windkraft, der Kleinwasserkraftverband (ÖVFK), der Biomasse-Verband und Eurosolar Austria haben daher heute, Freitag, in einer Pressekonferenz ein klares Bekenntnis zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Österreich verlangt.

Am Ende der Rangliste

"Bei den Einspeisetarifen für Windkraft liegt Österreich am Ende der europäischen Rangliste", beklagte etwa Stefan Hantsch, Geschäftsführer der IG Windkraft. Die E-Control schlage einen Tarif von durchschnittlich 6,8 Cent pro Kilowattstunde (kWh) vor. Das sei weniger als bisher die Bundesländer gezahlt hätten, erklärte er weiter. Sogar der gemeinsame Vorschlag der Bundesländer sei noch besser, obwohl er auch noch nicht den Vorstellungen des Verbands entspreche, "aber es wäre zumindest ein Kompromiss", so Hantsch: "Wir plädieren für einen durchschnittlichen Tarif von 8,4 Cent/kWh, was dem europäischen Durchschnitt entsprechen würde."

Ähnlich äußerten sich auch die Vertreter der anderen Verbände. "Die Kleinwasserkraft wird durch die derzeitigen Pläne akut gefährdet", glaubt etwa Johann Taubinger vom ÖVFK. Die etwa 4,2 Cent/kWh seien unannehmbar. Für Taubinger ist es auch nicht nachvollziehbar, warum rund 20 Prozent des veranschlagten Budgets in die Verwaltung laufen sollen. "Durch ordentliche Einspeisetarife könnte in fünf Jahren ein Investitonsvolumen von 500 bis 700 Mill. Euro durch die Revitalisierung älterer Anlagen in Gang gesetzt werden", führte er weiter an. Das schaffe auch neuer Arbeitsplätze.

Zukunftspotenzial gefährdet

Kostendeckende Einspeisetarife sind auch für Heinz Kopetz, Präsident des Biomasse-Verbandes, unabdingbar: "Das ist ja auch gesetzlich so vorgesehen." Im Papier der E-Control sind je nach Rohstoff und Technologie 5,0 bis 11,0 Cent/kWh vorgesehen. Der Biomasse-Verband stellt sich jedoch 8,0 bis 16,0 Cent/KWh vor. Das große Zukunfts-Potenzial der Photovoltaik gefährdet sieht Hans-Otto Schmidt von Eurosolar Austria. "Die 50 Cent/kWh sind wohl willkürlich festgelegt. das orientiert sich nicht an durchschnittlichen Produktionskosten", kritisierte er. Im Ländervorschlag seien rund 62 Cent vorgesehen, womit der Verband gerade noch als Kompromiss leben könnte, so Schmidt. "Eigentlich bräuchten wir aber 99 Cent/kWh."

Auf die Frage der Mehrkosten für die österreichischen Haushalte durch die von der Ökoenergie-Branche geforderten Tarife meinte Hantsch: "Das belaste einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Verbrauch von 3.500 kWh mit etwa zwei Euro pro Jahr pro Prozent Biostrom am Gesamtstrom."

Lösung bis zum Jahresende

Bis zum Jahresende muss aber jedenfalls eine Lösung gefunden werden. Können sich Bund, Länder und Branche nicht auf eine gemeinsame Formel einigen, legt dann das Wirtschaftsministerium ab 2003 die Einspeisetarife für neu errichtete Anlagen fest. (APA)

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    Die Ökoenergiebranche fordert ein Bekenntnis zur Ausbau der Erneuerbaren. Die von der E-Control vorgeschlagenen Einspartarife lehnt sie ab.

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