"Der Außendienst ist nichts für Frauen"

11. Oktober 2002, 11:21
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Wer das sagt und warum, lesen Sie im Diskriminierungsfall des Monats Oktober der AKO

Folgender arbeitsrechtlicher Diskriminierungsfall liegt zwar schon drei Jahre zurück, an Aktualität hat er deshalb allerdings nicht verloren. Lediglich die schriftlich festgehaltene diskriminierende Begründung würden sich Unternehmen dieser Tage vermutlich sparen:

Der Außendienst ist nichts für Frauen

Linz - "Frau N. bewirbt sich als Lehrling bei einem Versicherungsunternehmen. Sie bekommt eine Absage mit dem Hinweis, dass Lehrlinge in erster Linie für den Außendienst ausgebildet werden, und das wollen Frauen nicht. Frau N. will schon. Die Lehrstelle bekommt sie trotzdem nicht. Warum, versuchen wir beim Diskriminierungsfall des Monats Oktober zu ergründen.

Frauen würden sich erfahrungsgemäß für den Einsatz im Außendienst nicht interessieren, weil es sich dabei um eine Arbeit in den Abendstunden handle, die größte zeitliche Flexibilität verlange, heißt es von Seiten der Versicherung. Das teilt die Versicherung der jungen Frau sogar schriftlich mit: 'Leider werden bei uns die Lehrstellen nur für Bürokaufmänner vergeben, welche dann nach Absolvierung der Lehre auch den Beruf im Außendienst sofort ergreifen können', steht in dem Brief, der der AKO vorliegt.

Frau N. hätte damit kein Problem. Sie würde gerne später im Außendienst arbeiten, erklärt sie. Allein - es hilft ihr nichts. Die Lehrstelle kriegt sie nicht.

Ein klarer Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz. Doch Frau N. will nicht klagen.

Schlussfolgerung:

Die historisch gewachsenen Zuschreibungen, wonach bestimmte Berufe als typisch männlich beziehungsweise typisch weiblich gelten und somit dem anderen Geschlecht praktisch verschlossen bleiben. Diese Zuschreibungen haben oft nichts mit den tatsächlichen Arbeitsbedingungen oder den verlangten Fähigkeiten zu tun: Verkaufstätigkeiten sind einmal typisch weiblich und einmal typisch männlich. Arbeit in den Abendstunden wird bei manchen Berufen - etwa bei den Pflegeberufen - durchaus als für Frauen geeignet angesehen, in anderen Berufen wieder nicht.

Es ist vielen Unternehmen durchaus bewusst, dass sie eine diskriminierende Einstellungspolitik betreiben. Sie sehen jedoch keine Notwendigkeit, davon abzugehen, solange es genügend männliche Stellenbewerber gibt." (red)

zur Verfügung gestellt von der Arbeiterkammer Oberösterreich

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arbeiterkammer.com

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