Knochenbrüche bei Tieren: Nägel, Schrauben und Platten sind out

11. Oktober 2002, 15:36
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Neue in burgenländischer Tierklinik entwickelte Methode arbeitet mit Metallklammern und -schlingen

Wien - Klammern und Drahtschlingen statt Schrauben, Platten oder gar einen Gipsverband werden bei einer neuen Operationstechnik angewandt, die die Heilung von Knochenbrüchen bei Hunden und Katzen beschleunigen soll. Dabei stabilisieren mehrere maßgeschneiderte Klammern und Drahtschlingen die Knochenbruchstücke in ihrer ursprünglichen Position.

Die dadurch erreichte Elastizität lässt damit noch eine geringe Restbeweglichkeit im Frakturbereich zu, so dass es zu einer schnelleren neuen Knochenbildung kommt. Das erklärte der Veterinärmediziner Günther Wanivenhaus. Leiter der Tierklinik Bruck/Leitha.

Finanzielle Grenzen

Der chirurgischen Versorgung von Knochenbrüchen bei Hunden und Katzen sind oft finanzielle Grenzen gesetzt: Neben den Operationskosten fallen mehrere hundert Euro für die eingesetzten Marknägel, Platten und Schrauben an. "Die Tierbesitzer sind häufig nicht in der Lage, die Kosten zu tragen", so der Veterinärmediziner Wanivenhaus.

"Aus der Not heraus, weil die Patienten die Tiere sonst eingeschläfert hätten, statt zu zahlen" habe er nach einer günstigeren Alternative gesucht, die aber trotzdem alle Anforderungen stabilisierender Frakturchirurgie erfüllt. "Die Materialkosten machen jetzt einen Bruchteil der Kosten aus", so der Tierarzt.

Die Nägel und vor allen Dingen die Platten, die bisher bei schwierigen Knochenbrüchen eingesetzt wurden seien nicht nur teuer sondern auch schwer, man spürt sie bei Kälte und sie können durch den Anpressdruck die Gefäßversorgung behindern, so der Tiermediziner. "Der größte Nachteil ist aus meiner Sicht aber, dass sie starr sind und die Kallusbildung (Anm.: der natürlich entstehende Ersatzknochen) nicht angeregt wird".

Das eingesetzte Material - Kirschner Bohrdraht, der traditionellen Nagel-Methode in das Knochenmark eingeführt wird - lässt eine geringe Restbeweglichkeit im Frakturbereich zu und unterstütze hingegen das natürliche Knochenwachstum. Wanivenhaus führt den Draht - "ich wollte einfach auf bewährte Materialien zurückgreifen" - allerdings nicht in den Knochen ein, sondern verwendet ihn wie Schienen bzw. Klammern, die zusätzlich von weiteren Bohrdrahtschlingen (Cerclagen) gehalten werden.

"Da bei dieser Technik auch die Operationswunden kleiner sind, haben die Tiere nachher weniger Schmerzen und beginnen oft schon am nächsten Tag wieder zu gehen", so der Tierarzt, der rund 50 derartige Operationen durchgeführt hat. Mit Ausnahme zweier Fälle konnten bei allen tierischen Patienten, die wegen verschiedener Schaftfrakturen bis hin zu komplizierten Splitterbrüchen versorgt wurden, die Form und Funktion der betroffenen Knochen und angrenzenden Weichteile wiederhergestellt werden, betonte der Mediziner die Wirksamkeit der Methode.

Für seine Errungenschaft wurde der Veterinärmediziner kürzlich auch mit dem Preis des VTÖ (der Vereinigung Österreichischer Kleintiermediziner" ausgezeichnet wurde. "Mittlerweile wird die von mir entwickelte Methode auch schon in mehreren österreichischen und deutschen Tierkliniken mit Erfolg angewandt", so Wanivenhaus. (APA)

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