Explosion auf Tanker vor Jemen vermutlich Terroranschlag

11. Oktober 2002, 13:26
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Islamistische Gruppe schickt angebliches Bekennerschreiben

El Mukalla - Fünf Tage nach der Explosion auf einem Öltanker vor Jemen verdichten sich die Hinweise auf einen Terroranschlag. Amerikanische und französische Ermittler erklärten am Freitag, es sei unwahrscheinlich, dass ein technischer Fehler zu der Detonation an Bord der "Limburg" geführt habe. Außerdem gebe es Ähnlichkeiten zum Selbstmordanschlag auf den US-Zerstörer "USS Cole" vom Oktober 2000 in Jemen. Die "Limburg" wurde am Freitag für weitere Untersuchungen in den Hafen von El Mukalla geschleppt.

"Es ist deutlich geworden, dass ein Terrorakt vorliegt", hieß es am Freitag in Geheimdienstkreisen in Washington. Das Terrornetzwerk El Kaida betrachte einen Öltanker als wirtschaftliches Ziel, sagte der mit den Ermittlungen vertraute Geheimdienstmitarbeiter. Ein Mitarbeiter des amerikanischen Verteidigungsministeriums erklärte, außerdem deute ein Loch in Höhe der Wasserlinie auf einen Anschlag. Das Schiff sei noch relativ neu, daher sei es unwahrscheinlich, dass die Explosion auf einen technischen Fehler zurückzuführen sei.

Auch das französische Außenministerium erklärte, dass die ersten Untersuchungen auf einen Anschlag hinwiesen. Der französische Ermittler Jean-Francois Perrouty sagte im Fernsehprogramm von France 3, dass an Deck der "Limburg" Trümmerteile gefunden worden seien, die nicht von dem Tanker stammen könnten. Dabei handle es sich um Glasfaserteile, wie sie für Yachten oder Fischerboote verwendet würden. Der jemenitische Minister für das Seewesen, Said Jafaei, erklärte, die Trümmerteile könnten auch zum Rettungsboot der "Limburg" gehören, das bei der Detonation beschädigt worden sei. Diese Frage werde in Laboruntersuchungen geklärt.

Den ersten Verdacht eines Terroranschlags hatten Besatzungsmitglieder geäußert, die nach eigenen Aussagen gesehen hatten, wie sich kurz vor der Detonation vom vergangenen Sonntag ein Boot auf die "Limburg" zubewegte. Bei der Explosion wurde ein Besatzungsmitglied getötet. 90.000 Barrel Öl (das Fass zu 159 Liter) flossen ins Meer. Der französische Tanker war im Golf von Aden unterwegs nach Malaysia.

Die arabische Zeitung "Ashark al Awsat" berichtete am Donnerstag, eine moslemische Gruppe habe sich zu dem Anschlag auf den Tanker bekannt. Danach habe die Organisation "Aden-Abyan Islamische Armee" den Sprengsatz gezündet, um die Hinrichtung eines ihrer Anführer für die Entführung von 16 westlichen Touristen 1998 zu rächen. Ein Sprecher der jemenitischen Regierung, Abdul Kader Hilal, äußerte Zweifel an dem Bericht und erklärte, die Gruppe habe nicht die Mittel, einen solchen Anschlag zu verüben. Nach Informationen des amerikanischen Geheimdienstes hat die Gruppe Kontakte zum Terrornetzwerk El Kaida. (APA)

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