"Geschichte literarisch fruchtbar gemacht"

10. Oktober 2002, 21:11
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Iris Radisch und Marcel Reich-Ranicki zur Wahl

Die Literaturkritikerin der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit", Iris Radisch, zeigte sich begeistert von der Entscheidung. "Kertesz ist einer der letzten großen Autoren, der die beiden großen Themen des vergangenen Jahrhunderts - den Nationalsozialismus und den Kommunismus - literarisch aufgearbeitet hat", sagte Radisch.

Als Jude und später als Schriftsteller im kommunistischen Ungarn sei er "im Doppelten Sinne Opfer" gewesen und habe "Geschichte literarisch fruchtbar gemacht". Als Beispiel nannte sie Kertész' Tagebücher aus den 50er und 60er Jahren. "Aus europäischer Perspektive war das die allerbeste Wahl", sagte Radisch.

Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki sagte: "Ich freue mich sehr, dass Kertész den Preis bekommen hat. Ich habe für Philip Roth und John Updike plädiert, aber es ist schön und gut, dass ein so verdienter Autor den Preis bekommen hat. Er ist ein Autor mit großem Gespür für Zeitgenössisches, Zeitkritisches und gesellschaftskritische Probleme. Er ist ein Kenner der Psychologie und ein Meister der Darstellung der Leiden, die typisch sind für die Epoche, die er erlebt hat."(APA/dpa)

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