"Nanoklinik" zerstört gezielt Krebszellen

14. Oktober 2002, 09:00
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Prototyp in den USA entwickelt - Eisenoxid-Kern plus starkes Magnetfeld töten infiltrierte Zellen ab

Buffalo/New York - Forscher der University of Buffalo haben den Prototyp einer so genannten "Nanoklinik" entwickelt. In einer Zusammenarbeit des Institutes for Lasers, Photonics and Biophotonics mit dem französischen Nanotechnologie-Unternehmen Nanobiotix ist es gelungen, den Prototyp erfolgreich zur Bekämpfung von Krebszellen in der Petrischale einzusetzen. Wurde ein starkes Magnetfeld induziert, zerstörte die "Nanoklinik" selektiv Krebszellen. Die Forscher gehen davon aus, dass derartige "Nanokliniken" zur Behandlung einer Reihe verschiedener Krebsarten und anderer Krankheiten adaptiert werden können.

Die "Nano-Klinik" mit einem Durchmesser von weniger als 70 Nanometer besitzt einen Eisenoxid-Kern. Nachdem die Nano-Kliniken in die Krebszellen eingedrungen sind und ein starkes Magnetfeld angelegt wurde, erfolgte eine Anziehung der Nanopartikel. Die winzigen Teilchen durchstießen die Membranen der Krebszellen und zerstörten diese. Im Laborversuch sei es gelungen, 85 Prozent der erkrankten Zellen in einer Mischung aus gesunden Affen-Leberzellen und Krebszellen abzutöten.

Doch wie erkennen?

Damit die "Nano-Klinik" zwischen gesunden und kranken Zellen unterscheiden konnte, wurde der Eisenoxid-Kern mit einer dünnen Gelschicht ummantelt. An der Oberfläche brachten die Forscher bestimmte Peptide an, mit Hilfe derer die "Nano-Klinik" gezielt an Krebszellen andocken und in diese hinein wandern konnte. Gesunde Zellen reagierten auf die Nanopartikel nicht, da sie über keinen Rezeptor für das vorgetäuschte krebsspezifische Erkennungshormon verfügen.

"Nano-Kliniken", die intravenös oder durch eine Injektion in den Tumorbereich verabreicht werden sollen, könnten in ferner Zukunft auch die Blutbahnen von Patienten überwachen. Dadurch könnte das Wachstum des Tumors bereits im Frühstadium gestoppt werden, hoffen die Forscher. Durch die Anlegung des Magnetfelds werde die zerstörende Wirkung der Nanopartikel "eingeschaltet", die das Zerreißen der Membranen der Krebszellen zur Folge hat.

"Die Nanoklinik-Technologie ermöglicht durch die Anlegung einer externen Energiequelle die kontrollierte Erzeugung von physikalischen und chemischen Reaktionen in den Zielzellen", resümiert Nanobiotix-Präsident Laurent Levy. Tierversuche sollen nun die selektive Aufnahme der "Nanokliniken" in Tumorzellen beweisen. Das Buffalo-Institut und Nanobiotix diskutieren bereits aktiv über die Zusammenarbeit mit großen Pharmakonzernen. (pte)

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