Abwehrmängel führen zu Ekzemen

11. Oktober 2002, 10:13
posten

Forscher setzen atopische Dermatitis mit Mangel an zwei antimikrobiellen Peptiden in Zusammenhang

Denver - Menschen, die an einem chronischen Ekzem, der so genannten atopischen Dermatitis, leiden, haben einen Mangel zweier antimikrobieller Peptide. Dieser Mangel macht sie für bakterielle Infektionen der Haut sensibel. Dies berichten Forscher des National Jewish Medical and Research Centers (NJC) im Fachblatt New England Journal of Medicine. Die Ergebnisse deuten an, dass Medikamente, die diese Peptide beinhalten oder induzieren, eines Tages zur Bekämpfung der Infektionen, die Mio. Menschen mit einer atopischen Dermatitis (AD) plagen, eingesetzt werden könnten. Schätzungen des NJCs zufolge entwickelt jeder Zehnte im Laufe des Lebens mindestens einmal ein Ekzem.

"Die Studie liefert wertvolle Hinweise darüber, warum 90 Prozent der AD-Patienten mit dem Erreger von bakteriellen Infektionen Staphylococcus aureus besiedelt werden und 30 Prozent eine Infektion entwickeln", erklärte Studienautor Donald Leung. Es sei wichtig zu verstehen, warum Menschen mit dieser häufigen Hauterkrankung für Hautinfektionen empfindlich sind. Das Team um Leung konzentrierte sich auf erst kürzlich in der Haut identifizierte Peptide, die eine einsetzende Infektion bekämpfen. Diese Peptide treten kaum in gesunder Haut, aber in Reaktion auf eine Hautentzündung auf. Die Mediziner evaluierten bei acht Patienten mit mäßiger bis schwerer AD, elf Psoriasis-Patienten und sechs gesunden Probanden den Spiegel dieser zwei antimikrobiellen Peptide LL-37 und HBD-2.

Peptid-Spiegel

Unter dem Mikroskop zeigte sich, dass Psoriasis-Patienten einen signifikanten Anteil der Peptide in der Haut hatten. Die Werte von AD-Patienten gingen gegen Null. Bei gesunden Personen waren die Peptide nicht vorhanden. Im Vergleich hatten Psoriasis-Patienten, die kaum an Hautinfektionen leiden, zehn Mal mehr der Peptide in der Haut als AD-Patienten. Wurden Staphylococcus-aureus-Kolonien mit den antimikrobiellen Peptiden behandelt, zerstörte dies die Bakterien bei Peptidwerten, wie sie bei Psoriasis-Patienten auftreten.

Zudem entdeckten die Forscher, dass zwei hormonartige Proteine IL-4 und IL-13, die mit der Immunreaktion in Verbindung stehen und gewöhnlich von den Hautzellen der AD-Patienten sekretiert werden, die Produktion eines der Peptide (HBD-2) in Zellkulturen unterdrückten. "Dies bedeutet vermutlich, dass AD-Patienten ein schlechtes Immunsystem haben. Dieses hemmt die Bildung adäquater Mengen der antimikrobiellen Peptide in der Haut", erklärte Leung. Der Forscher hofft auf den künftigen Einsatz der Peptide zum Schutz vor Hauterkrankungen bei AD-Patienten. "Der Körper produziert die Peptide natürlicherweise zur Bekämpfung von Infektionen. Daher sind die Nebenwirkungen im Vergleich zu konventionellen Antibiotika geringer", betonte Co-Autor Richard Gallo von der University of California, San Diego. In den nächsten Jahren will man sich der Veränderung des Immunsystems von AD-Patienten widmen, um die Produktion der antimikrobiellen Peptide zu fördern. (pte)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.