Lügen, die von Herzen kommen

14. Februar 2003, 15:30
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Kerstin Giers neuer Frauenroman als witzig-leichte Freizeitkost - ein Buchtipp für U-Bahn und Badewanne

Hanna ist 26, Journalistin in einem Frauenmagazin und mit sich und ihren "Kilos zuviel" vollauf zufrieden. Bis sie bei Recherchen über Chatrooms im Cyberspace auf "Boris" trifft - laut Online-Partnerschaftstest der ideale Mann für sie - dem sie eine Modelfigur vorgaukelt. Als ein Real Date winkt, kommt ihre Selbstsicherheit plötzlich gehörig ins Wanken und sie beschließt abzuspecken - was ihr wohlgeordnetes Leben völlig durcheinander bringt. Wobei sie nicht ahnen kann, dass "Boris" sie ohnehin schon längst kennt...

Lesespaß "zum Drüberstreuen"

Was am Buchdeckel nach billigem Dreigroschenroman klingt, entpuppt sich schon nach wenigen Seiten als pointierter Lesespaß: Nicht die - zugegebenermaßen etwas seichte - Rahmenhandlung, sondern die vielen Nebenhandlungen sind es nämlich, die dieses Buch lesenswert machen. Seien es Hannas Treffen mit ihren besten Freundinnen, die sie mit Diättipps und gut gemeinten Ratschlägen bombardieren, der kleine Bruder mit der unheimlichen Hippie-Freundin, die mit ihren drei Kindern völlig überforderte Schwester, ihre in den wilden Siebzigern hängen gebliebene Mama oder die Kolleginnen in der Redaktion, die den neuen Chef im Gegensatz zu Hanna unausstehlich finden. Und der - vorhersehbare - Schluss wie auf der Kinoleinwand, der ein bisschen an "E-Mail für Dich" erinnert. Ein Buch zum Drüberstreuen, das Spaß macht und besonders Chatterinnen erheitern wird!

Kerstin Gier hat 1995 mit dem Schreiben von Frauenromanen begonnen. Ihr erstes Buch, "Männer und andere Katastrophen", wurde sofort ein Renner und mit Heike Makatsch in der Hauptrolle auch verfilmt. Heute lebt sie als freie Autorin mit "Mann, Sohn, zwei Katzen und drei Hühnern" in einem Dorf in der Nähe von Bergisch-Gladbach. (isa)

Kerstin Gier:
Lügen, die von Herzen kommen

Bastei Lübbe, 2002
283 S., 6,90 Euro
ISBN 3-404-16236-6

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