Österreich entdeckt die EIB als Geldquelle

10. Oktober 2002, 19:49
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Kreditvolumen bei Europäischer Investitionsbank erreicht Milliardenmarke

Wien - Die Entwicklung der internationalen Kapitalmärkte und sinkende Investitionsquoten der öffentlichen Hand bescheren der Europäischen Investitionsbank (EIB) einen Run auf ihr günstiges Geld. Vor allem Österreich hat, nach Jahren der Zurückhaltung, die Luxemburger Geldquelle heuer so richtig entdeckt. Wie EIB-Vizepräsident Ewald Nowotny im Gespräch mit dem STANDARD ausführt, falle Österreich, das bisher eher Nachholbedarf hatte, "jetzt durch eine überdurchschnittlich hohe Nachfragequote auf".

Das von Österreich bei der EIB aufgenommene Kreditvolumen wird deshalb Ende 2002 erstmals die Marke von einer Milliarde EURO (2001: 820 Mio. EURO) erreichen; die 150 Mio. EURO an einmaligen Sonderkrediten zur Beseitigung der Flutschäden sind da noch gar nicht enthalten.

Steige die Nachfrage aus Österreich noch mehr, würde diese bald über dem Niveau möglicher EIB-Anbote liegen. Man müsse deshalb davon ausgehen, dass "künftig nicht mehr alle Wünsche der Banken nach Globaldarlehen erfüllt werden könnten", führt Nowotny aus.

Als Schwerpunkt für 2003 will er jedenfalls "österreichische Banken und Unternehmen mit kostengünstigen Langfristdarlehen auch bei Projekten in Südosteuropa und in der Türkei begleiten". Vor allem im Maschinen- und Telekombereich stehe hier einiges an. Ein derartiges, erstes Engagement hat die EIB bereits vorexerziert. Gemeinsam mit der Weltbank wurde ein Joint Venture zwischen Alpine und Asamer & Hufnagl, die sich in Bosnien-Herzegowina die Mehrheit an der Zementfabrik Lukavac sicherten, mitfinanziert.

Die fleißigsten Kreditnehmer der EIB in Österreich sind derzeit freilich die Banken und der halböffentliche Sektor. Seit heuer arbeiten die Luxemburger in großem Maßstab mit den Bundesländern zusammen, etwa bei der Finanzierung des ausgegliederten Krankenanstaltenbereiches in Oberösterreich und in der Steiermark. In Wien engagiert sich die EIB unter anderem bei der Wohnbaufinanzierung und in Niederösterreich im Sektor Abfallwirtschaft. Auch mit Salzburg und Tirol laufen derzeit Gespräch über eine künftige intensive Zusammenarbeit. Und das Burgenland wiederum hat bereits ein konkretes Anbot eines Globaldarlehens für ein zukunftsträchtiges Energie-Projekt am Tisch liegen.

Außerdem ist die EIB bei der Finanzierung von Großprojekten, wie der Autobahnmaut oder Müllverbrennungsan- lagen (Zwentendorf, Arnoldstein) sowie bei Schulbauprojekten mit dabei. Im Verkehrsbereich stützt man derzeit "mit knapp über 100 Mio. EURO" vor allem rollendes Material, also Lokomotiven und Waggons für die ÖBB. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 10.11.2002)

Von Monika Bachhofer
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