Ökobonus bei Lkw-Mauttarifen geplant

11. Oktober 2002, 12:49
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Tarifverordnung sieht Möglichkeit vor, saubere Laster weniger zu belasten - 22 Cent je Kilometer

Wien - Die Lkw-Maut, die spätestens Anfang 2004 auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen elektronisch eingehoben wird, könnte für "Stinker" teuer und für saubere Lkw billiger kommen als bisher gedacht. Auf Druck der Wirtschaftskammer wurde in der Mautverordnung die Möglichkeit einer "Ökologisierung" der Tarife vorgesehen, erfuhr der STANDARD aus dem Infrastrukturministerium. Am Durchschnittstarif von 22 Cent je Kilometer soll sich aber nichts ändern.

Die Mauttarifverordnung, die von Infrastrukturminister Mathias Reichhold vor zwei Wochen unterschrieben, aber noch nicht publiziert wurde, soll in spätestens drei Wochen im Amtsblatt veröffentlicht werden, hieß es. Die Verzögerung sei durch die notwendige Abstimmung mit dem Finanzministerium bedingt. Walter Hecke, Chef des Mautauftraggebers Asfinag, hatte in einer Pressekonferenz am Donnerstag die Befürchtung geäußert, dass die Mauttarifverordnung nicht mehr vor den Nationalratswahlen im November kommt. "Wir investieren hohe Summen, wir wollen nicht ungedeckte Schecks ausstellen."

Die Vorbereitungen für die Lkw-Maut sind voll im Laufen, kürzlich wurde in der Nähe von Wiener Neustadt der erste Mautbalken über die Südautobahn gelegt. Bis Sommer 2003 sollen österreichweit an 400 Stellen 800 Portale errichtet werden, rund 100 mit Videokameras zur Verfolgung eventueller Mautpreller. Zweiachsige Lkw mit einem Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen zahlen, wie berichtet, 13 Cent je Kilometer, dreiachsige Lkw 18 Cent und vier- oder mehrachsige Laster 27 Cent. Wo derzeit Sondermauten eingehoben werden wie auf der Tauern- und Pyhrnstrecke oder beim Arlbergtunnel, wird die Kilometermaut entsprechend teurer.

Auf der Unterinntalstrecke von Kufstein bis Innsbruck-Süd werden im Durchschnitt 22 Cent je Kilometer abgebucht und von dort bis zum Brennersee der erhöhte Mauttarif kassiert. Wer aber von Kufstein bis zum Brennersee durchfahre, zahle in Summe nicht mehr, als er bisher für die Fahrt über den Brenner ausgeben musste, sagte Hecke. "Die EU hätte das sonst nicht erlaubt."

Konflikte mit der EU erwartet Hecke auch für den Fall, dass die Lkw-Maut auf 30 bis 33 Cent je Kilometer angehoben wird, wie von SPÖ und Grünen gefordert. Das widerspreche der EU-Wegekostenrichtlinie. (stro/DER STANDARD, Printausgabe, 11.10.2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der erste Mautbalken auf der Südautobahn

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