Der Rückblick

10. Oktober 2002, 19:43
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ÖVP wurde 1999 mit historischem Tief nur Drittstärkste - Knapp hinter der FPÖ mit 26,9 Prozent und 52 Mandaten

Wien - Kanzlerpartei und historischer Tiefststand ist die Ausgangsbasis der ÖVP für die Nationalratswahl am 24. November. Wenn es ihr - wie die Umfragen vorhersagen - gelingt, Stimmenzuwäche zu erreichen, ist dies der erste Aufwärtstrend seit 16 Jahren. Seit Jörg Haiders Machtübernahme in der FPÖ 1986 verlor die ÖVP kontinuierlich, nur unterbrochen von einem "kleinen" Plus von 0,6 Prozentpunkten im Jahr 1995. Den historischen Tiefststand fuhr die ÖVP dann bei der Wahl 1999 mit 26,9 Prozent und 52 Mandaten ein. Erstmals rangiert die ÖVP seither auch - knapp, aber doch - hinter der FPÖ auf Platz drei.

Seine Ankündigung, in diesem Fall in die Opposition zu gehen, machte ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel nicht wahr. Im Gegenteil, er wurde Bundeskanzler der ersten schwarz-blauen Regierung Österreichs. Die ÖVP blieb Regierungspartei, was sie seit 1987 durchgehend - bis zum Frühjahr 2000 aber in rot-schwarzen Koalitionen - war.

Seit der Wahl 1970, also dem Beginn der Ära Kreisky, muss sich die ÖVP damit begnügen, hinter der SPÖ zu liegen, zuletzt auch hinter der FPÖ. Ein historischer Erfolg für die Volkspartei war deshalb die EU-Wahl 1996, als sie sich knapp vor der SPÖ platzieren konnte. Ihr bestes Ergebnis gelang der ÖVP bei der ersten Wahl der Zweiten Republik 1945 mit 49,8 Prozent unter Leopold Figl. Mit der Machtübernahme Jörg Haiders in der FPÖ begann. Den größten Verlust hatte die ÖVP im Jahr 1990, unter Josef Riegler, mit 9,2 Prozentpunkten eingefahren.

Unter der 30-Prozent-Marke liegt die ÖVP bei Nationalratswahlen seit 1990. Bis inklusive der Wahl 1986 war es ihr durchgehend gelungen, die 40 Prozent zu überschreiten.

Hochburg der ÖVP bei der Wahl 1999 war Vorarlberg mit 35,21 Prozent. Das beste Bezirks-Ergebnis gelang ihr allerdings in Zwettl/Niederösterreich: Dort kam sie über 50 Prozent (genau: 51,6 Prozent). Dies gelang keiner anderen Partei in keinem anderen der 121 Bezirke und Statutarstädte Österreichs. Am schlechtesten schnitt die ÖVP 1999 in Kärnten (16,3 Prozent) ab. Das schlechteste Bezirksergebnis gab es in der "roten" Bundeshauptstadt, im Arbeiterbezirk Simmering bekam die ÖVP nur 9,9 Prozent.

Insgesamt erreichte die ÖVP 1999 in 32 der 121 Bezirke keine 20 Prozent, in 39 zwischen 20 und 30, in 35 30 bis 40 und in 15 Bezirken mehr als 40 Prozent. (APA)

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