Rekordsteuerlast in Österreich wider weltweitem Trend

10. Oktober 2002, 17:38
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Trend zu höheren Steuern erstmals gebrochen - Schwarz- Blau wirbt unverdrossen für die Fortsetzung des bisherigen Kurses

Paris/Wien - Der seit 1995 anhaltende Trend zu höheren Steuern konnte 2001 gebrochen werden. Erstmals seit sechs Jahren sank die Steuerbelastung in den meisten Industriestaaten, geht aus einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor.

Nur in acht der 30 Mitgliedsländer stieg die Abgabenquote. Zu diesem Kreis zählen die Türkei, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Korea, Griechenland, Luxemburg und Österreich. Gemessen an der Höhe der Steuererhöhungen liegt Österreich hinter Norwegen an zweiter Stelle. In Norwegen stieg die Steuerlast wegen Problemen mit den Einkünften aus der Ölförderung von 40 auf 44,9 Prozent, in Österreich hob die Regierung die Belastungen von 43,7 auf eine Quote von 45,7 Prozent an. Nach Berechnungen der EU-Kommission liegt die Belastungsquote in Österreich sogar bei 47 Prozent. Die Quote gibt sämtliche Steuern und Abgaben in einem Land im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) an (siehe Tabelle). Mit 47 Prozent liegt Österreich bereits recht nahe an Schweden, wo mit 53,2 Prozent mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung an den Staat geht.

Hand in Hand mit den Steuererhöhungen rutschte Österreich in der EU beim Wirtschaftswachstum mit 0,7 Prozent 2001 an die vorletzte Stelle vor Deutschland. Der EU-Schnitt lag mit 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum mehr als doppelt so hoch wie in in Österreich.

Die östlichen Nachbarn und künftigen EU-Mitglieder wie Ungarn, Polen oder die Slowakei konnten ihre Abgabenniveaus in den vergangenen Jahren deutlich reduzieren und damit die Attraktivität der Wirtschaftsstandorte merkbar anheben. In Ungarn gelang es, die Quote von 42,4 Prozent 1995 auf 38,6 Prozent 2001 zu senken, die Slowakei verringerte ihre Steuerlast allein von 2000 auf 2001 um 2,6 Prozentpunkte.

Falls Österreich sein von Finanzminister Karl-Heinz Grasser verordnetes Ziel, die Abgabenquote bis 2010 auf vierzig Prozent zu senken, schafft, liegt es gerade dort, wo die europäischen OECD-Länder durchschnittlich schon 2000 lagen: bei 39,9 Prozent. Noch um weitere zehn Prozentpunkte tiefer liegt der führende Wirtschaftsraum der Welt, die USA. Dort zahlen Bürger und Unternehmen unter dem Strich unter 30 Prozent der Wirtschaftsleistung an den Staat.

Diese Werte wird Europa kaum jemals erreichen, weil die Sozialabgaben eine immer größere Bedeutung in den Budgets bekommen. Bei diesen Ausgaben liegt Österreich an fünfter Stelle der dreißig OECD-Länder. Im Jahr 2000 machten die Ausgaben für die soziale Sicherheit rund 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus, 34,2 Prozent aller Steuereinnahmen wurden in das Sozialsystem gepumpt. Spitzenreiter: Tschechien mit fast 44 Prozent seiner Steuereinnahmen, gefolgt von der Slowakei mit 41 Prozent. (mimo/DER STANDARD, Printausgabe, 11.10.2002)

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