Österreichs Städte drohen zu verwaisen

11. Oktober 2002, 16:08
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Die ansteigende Zahl der Single-Haushalte führe dazu, dass immer mehr Menschen aus den Stadtzentren auswandern...

Wien - Die österreichischen Städte drohen zu verwaisen, zumindest in den Abendstunden. Leerstehende alte Wohnblöcke und menschenleere Straßen könnten das Zukunftsszenario in den Landeshauptstädten sein. "Immer mehr Menschen wollen im Zentrum arbeiten, wohnen wollen sie aber im Grünen - also am Stadtrand", erklärte Univ.-Prof. Heinz Fassmann von der Uni Wien am Donnerstag.

Dies führe dazu, dass sich die Metropolen zwar ausbreiten und größer werden, die "administrative Stadt" aber gleich bleibt. "Früher hätte man einfach die Stadtmauern verschoben, heute geht dies nicht, da die politischen Grenzen sehr fest verankert sind", sagte Fassmann. "Hinzu kommt, dass die Gesellschaft mittlerweile sehr dynamisch ist, jeder Einzelne beansprucht einfach mehr Platz."

Auch die ansteigende Zahl der Single-Haushalte führe dazu, dass immer mehr Menschen aus den Stadtzentren auswandern. Übrig bleiben vor allem "unbeliebte" (Erdgeschoss-)Wohnungen oder graue Wohnblöcke, die für eine Zeit lang leer stehen. Unserer "dynamischen Marktwirtschaft" sei es aber zu verdanken, dass die Substanz bald wieder genutzt werden kann. Wohnungen werden vergrößert, abgerissen oder mit Büros oder Supermärkten "gefüllt".

Wie die jüngste Volkszählung gezeigt hat, sind vor allem die Landeshauptstädte Linz (Bevölkerungsminus 9,6 Prozent) und Graz (minus 4,9 Prozent) zahlenmäßig die Hauptverlierer. Fassmann dazu: "Diese Entwicklung ist bedeutsam, war aber erwartbar." Denn in anderen Europäischen Städten und Staaten habe sich dieser Trend schon viel früher gezeigt. In München etwa sei die Bevölkerungszahl in den vergangenen Jahren gar um 20 Prozent zurückgegangen. (APA)

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