Straßenschlachten bei Kommunalwahlen in Algerien

10. Oktober 2002, 17:48
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Sieg der Regierungspartei erwartet - Dorfkomitees in der Berber-Region Kabylei rufen zum Wahlboykott auf

Algier - Die Kommunalwahlen in Algerien sind am Donnerstag von gewalttätigen Protesten in der Berber-Region Kabylei überschattet worden. Im nordostalgerischen Bejaia folgten zahlreiche Einwohner dem Aufruf von Berberführern zum Wahlboykott und errichteten Straßensperren. Steinwürfe gegen Polizisten beantworteten die Sicherheitskräfte mit Tränengas. Den Demonstranten gelang es nach Angaben von Augenzeugen, in den Städten Bejaia und Tizi Ouzou sowie in umliegenden Orten zahlreiche Wahllokale zur Schließung zu zwingen.

In Algerien waren die Wähler am Donnerstag aufgerufen, neue Gemeindevertreter und Bürgermeister zu bestimmen. Die Presse des Landes ging bei der Kommunalwahl von einem Sieg der regierenden Nationalen Befreiungsfront (FNL) aus. Über 16 Millionen Bürger waren aufgerufen, zwischen 24 Parteien zu wählen. Heftig umstritten war der Urnengang in der Berber-Region Kabylei. Dort hatten die Dorfkomitees aus Protest gegen die Regierung zu einem Wahlboykott aufgerufen hatten.

Entgegen der Befürchtungen verlief die Wahl bis zum Mittag nach Presseangaben friedlich. Die Regierung hatte 2000 Polizisten in die Unruheregion Kabylei geschickt, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Während des Wahlkampfes war es dort mehrfach zu blutigen Zusammenstößen und Demonstrationen gekommen.

Neben der regierenden Befreiungsfront von Präsident Abdelaziz Bouteflika, die bei den Parlamentswahlen am 30. Mai die absolute Mehrheit erreicht hatte, könnte nach Ansicht von Wahlbeobachtern die zweite nationalistische Partei, die Demokratische Nationale Vereinigung (RND) gut abschneiden.

Neben der FLN und der RND standen Kandidaten dreier islamistischer Bewegungen und verschiedener linker und linksextremer Parteien zur Wahl. Die sozialistische FFS (Front des Forces Socialistes), die die Parlamentswahlen boykottiert hatte, hat sich diesmal zu einer Beteiligung entschlossen. Die Arbeiterpartei PT hat insbesondere in der Kabylei einen aktiven Wahlkampf geführt. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    in Tizi Ouzou erzwangen Demonstranten die Schließung des Wahllokals

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