Warum Schizophrenie Stimmen hören lässt

10. Oktober 2002, 15:04
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Deutsche Forscher finden mögliche Erklärung in fehlerhafter Verknüpfung von Sprach- und Ortsinformation

Aachen - Aachener Forscher haben eine mögliche Ursache für das Stimmenhören bei Schizophrenie-Kranken entdeckt. Demnach könnte das Phänomen das Ergebnis einer fehlerhaften Verknüpfung von Sprach- und Ortsinformation sein, teilte die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) am Donnerstag mit. Eine Studie habe gezeigt, dass Schizophrene bei der Ortung von Schallquellen häufig irrten.

Bisher war als Ursache oft ein psychologischer Verdrängungsmechanismus angenommen worden. Die Stimmen könnten freundlich oder feindselig sein, etwas kommentieren oder verbieten. Die rätselhafte Krankheit treffe einen von hundert Menschen, Frauen etwa gleich häufig wie Männer. Schizophrene ordneten ihre selbst produzierten Stimmen meist äußeren Personen zu.

"Heiße Spur"

"Jetzt haben wir eine heiße Spur, wie man das Phänomen mit wissenschaftlichen Methoden weiter erhellen kann", sagte Mitarbeiter Thomas Früh von der RWTH. Dies sei ein erster nachprüfbarer Ansatz.

In der Studie mit 20 Testpersonen - zehn kranke und zehn gesunde Menschen - wurden die Probanden einzeln in einem dunklen Raum mit zwölf Lautsprechern platziert. Aus den Boxen erklangen viersilbige Worte, wobei die Richtung nach dem Zufallsprinzip wechselte. Ergebnis: Die Schizophrenie-Patienten irrten sich fast doppelt so häufig wie die gesunden Menschen bei der Zuordnung der richtigen Lautsprecher. "Gelegentlich haben sie den Fehler gemacht, dass sie rechts und links vertauschten. Das kommt bei Gesunden nicht vor", erläuterte Früh.

Das Gehirn trenne akustische Reize in die Informationen "Was?" und "Wo?", sagte der Sprecher weiter. Diese würden in verschiedenen Nervenbahnen weiter geleitet und verarbeitet. Nun gebe es ein starkes Indiz dafür, dass bei Schizophrenen die "Wo-Bahn", die auch mit Zentren der Sprachverarbeitung verbunden ist, defekt ist. Dies soll in einer weiteren Studie ebenfalls unter Leitung von Prof. Ralf Erkwoh geprüft werden. (APA/dpa)

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