Telekom-Regulator: Groteskes Bestellritual

11. Oktober 2002, 19:36
3 Postings

Neubestellung der Führungsriege droht zur Farce zu werden

Wien - Die Neubestellung der Führungsriege der Telekomregulierungsbehörde droht zur Farce zu werden. Nächste Woche soll der Ministerrat die Mitglieder des wichtigsten Entscheidungsgremiums, der am 4. November auslaufenden Telekom Control Kommission, bestellen.

Die Noch-Regierungspartner sind uneinig, wer in der dreiköpfigen Behörde mit richterlichem Einschlag Platz nehmen soll, entscheidet diese doch über das Wohl der heimischen Telekombranche in den nächsten fünf Jahren.

Werner Kasztler heißer Favorit

Als heißer Kandidat wird in Regierungskreisen der frühere Telekom-Austria-Generaldirektor, Werner Kasztler, gehandelt. Als ehemaliger Ericsson-Österreich-Chef gilt der frühere Bewag/Begas-Chef Kasztler als qualifiziert, das "rote Urgestein" Oskar Grünwald (ehemals OMV) zu beerben. Dass Kasztler seit seinem Ausscheiden aus der TA als Konsulent eben dieser tätig ist, künftig aber deren Marktmacht kontrollieren soll, stört die Regierung offenbar nicht.

In die engere Wahl geschafft haben es weiters der Kartellrechtsexperte und Ex-FP-Klubobmann Norbert Gugerbauer, Kurzzeit-Justizminister Michael Krüger (FP) sowie Kasztlers "rechte Hand" Karl Prucha, der diesem von Schrack/Ericsson zur Telekom Austria gefolgt war. Posten zum Verteilen gibt es genug, müssen für die drei ordentlichen Kommissionsmitglieder doch auch drei Ersatzmitglieder bestellt werden. Neben Grünwald stehen Alfred Reiter (ehemals Investkredit), Gottfried Magerl (TU Wien) und Peter Knezu (früher Alcatel) zur Disposition. Fix nominiert sind dem Vernehmen nach nur die Richter Eckhard Hermann und Wolfgang Schramm.

Aufwändig, aber ehrenamtlich

Pikantes Detail am Rande: Die Kommission könnte ihrer fristgerechten Abberufung zuvorkommen. Dann nämlich, so das jüngste Gerücht, wenn Heinrich Otruba, der für Telekommunikation zuständige Chef der Rundfunk- und TelekomregulierungsGmbH (RTR), nicht erneut zum RTR-Geschäftsführer bestellt wird, überlegen manche, die ehrenamtliche, aber sehr aufwändige Regulierungstätigkeit abzugeben. Denn es gehe nicht an, dass sich Europas größter Telekomkonzern (Deutsche Telekom mit T-Mobile) und die Telekom Austria (TA) "ausschnapsen", wer hierzulande Regulator wird.

Der Hintergrund dazu: Otrubas Konkurrenten um den RTR-Chefsessel sind die von der TA favorisierten Georg Serentschy (Consulter bei Arthur D. Little) und Johann Guenther (Donau-Uni Krems, früher Alcatel) sowie Klaus Steinmaurer (T-Mobile). (ung/DER STANDARD Print-Ausgabe 12.10.2002)

Share if you care.