Italiens Bankenbereich drohen 20.000 Kündigungen

10. Oktober 2002, 13:01
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Jetzt kommen auch italienische Kreditinstitute zunehmend unter Druck - Krisengipfel geplant

Rom - Der massive Stellenabbau beim Turiner Autobauer Fiat belastet in Italien nicht nur den Industriebereich. Auch der Bankensektor plant eine schmerzhafte Personalkürzung, um die Kosten abzubauen und an Konkurrenzfähigkeit zu gewinnen. In den italienischen Banken sind laut Gewerkschaftsverband CISL 20.000 Arbeitsplätze gefährdet. Die Gewerkschaften warnen nun vor den grundlegenden Umstrukturierungen, die die italienischen Banken in die Wege leiten wollen.

Der Bankenverband ABI plant kommende Woche einen Krisengipfel mit den Gewerkschaften. Das größte italienische Kreditinstitut, die Banca Intesa, setzt den Rotstift am stärksten an. Im Zuge eines strengen Rationalisierungsplans ist die Streichung von 7.800 Stellen - 15 Prozent der Arbeitsplätze - vorgesehen. Die im vergangenen Jahr beschlossene Fusion mit der Banca Commerciale Italiana (BCI), ermögliche Synergien, die eine starke Reduzierung der 53.000 Arbeitsplätze erfordere, erklärte Geschäftsführer Corrado Passera. Die Bank hofft somit bis 2005 auf Einsparungen im Wert von 500 Mill. Euro.

Schuldenberge abbauen

Ein Aderlass ist auch bei Italiens viertgrößtem Geldhaus Capitalia geplant. Die im April aus der Fusion der lombardischen Bank Bipop-Carire mit der Banca di Roma entstandene Capitalia will in den nächsten drei Jahren einen Schuldenberg von 3,9 Mrd. Euro abbauen und die Eigenkapitalrendite (Roe) bis 2005 um 9,5 Prozent steigern. 3.724 Stellen sollen dabei gestrichen werden, was 12 Prozent der Belegschaft entspricht. 150 Filialen werden geschlossen. Der massive Stellenabbau wird Einsparungen von 90 Mill. Euro ermöglichen. In den kommenden drei Jahren sollen zwischen 160 Mill. und 180 Mill. Euro an Kosten eingespart werden.

Bankengruppe San Paolo-Imi streicht 800 Arbeitsplätze

Die Rationalisierungspolitik trifft auch die zweitgrößte italienische Bankengruppe San Paolo-Imi hart. Geplant ist die Streichung von 800 Arbeitsplätzen bei dem vor zwei Jahren übernommenen Banco Di Napoli. Die Kündigungswelle wird wahrscheinlich auch nicht der Unicredito erspart bleiben, die nach der Übernahme mehrerer lokaler Sparkassen eine tiefgreifende Umstrukturierung in die Wege geleitet hat.

Im Vergleich zu den anderen EU-Staaten haben Italiens Banken wesentlich höhere Personalkosten. 70 Prozent der Gesamtausgaben entfallen auf das Personal. Seit Wochen berät die Regierung sowohl mit führenden Bankiers wie auch mit den Gewerkschaften über die Beschäftigungslage im Banksektor, der seit einigen Jahren wegen einer massiven Fusionswelle stark in Umbruch ist. Die Gewerkschaften drohen mit Barrikaden. Es sei absurd, nur die kleinen und mittleren Angestellten für die Krise zahlen zu lassen. Die Restrukturierung des ganzen Systems erfordere weit mehr als nur Personalabbau.(APA)

  • Aufruhr nun auch bei italienischen Banken. Im Foto eine Filiale der Banca Toscana.

    Aufruhr nun auch bei italienischen Banken. Im Foto eine Filiale der Banca Toscana.

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