Pionierin in Afrika

30. Dezember 2003, 21:11
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Als Forschungsreisende war Mary Henrietta Kingsley eine der ersten Frauen, die dieses Experiment wagten - Zum 140. Geburtstag

Im ausgehenden 19. Jahrhundert galt sie nicht nur aufgrund ihrer Forschungsreisen nach Afrika als Novität. Vor allem ihren Mut als selbständige Frau, ohne den Schutz eines Mannes, die zu dieser Zeit noch lebensgefährlichen Reisen zu unternehmen, musste sie immer wieder rechtfertigen: "Ich darf jeder unverheirateten Frau, die ... vorhat, die Erforschung der Afrikaner aufzunehmen, im Vertrauen sagen, dass sie ständig durch die Frage ... in Verlegenheit gebracht werden wird. Ich muss sie davor warnen, zu sagen, dass sie keinen habe ... das führt nur zu noch schrecklicheren Fragen. Es ist ratsamer zu erklären, dass Sie auf der Suche nach ihm sind..."

Den Großteil ihres kurzen Lebens entsprach Mary dem viktorianischen Frauenideal. 1862 in der Nähe von London geboren, erfuhr sie eine bürgerliche, auf "weibliche" Tugenden bedachte Erziehung: Häuslichkeit und Opferbereitschaft für andere, was sich auch in der Pflege ihrer invaliden Mutter ausdrückte. Obwohl sie sehr wissbegierig war und schon als Kind die Bücher ihres Vaters verschlungen hatte, wurde ihr ein Studium untersagt.

Expeditionen nach Westafrika

Erst 1893, nach dem Tod ihrer Eltern, sah Mary Kingsley kein Hindernis mehr, sich ihrer Forschungsleidenschaft hinzugeben. Nachdem sie sich das erforderliche soziologische und völkerkundliche Wissen auf der Cambridge Universität angeeignet hatte, brach sie zu Expeditionen nach Westafrika auf. Dabei durchquerte sie viele unberührte Stämme, lebte mit den Einheimischen, lernte verschiedene Stammessprachen, studierte deren Lebensweise und Riten. Seltene Reptilien, die sie für das Britische Museum gesammelt hatte, wurden nach ihr benannt.

Wieder in England baute sie ihre Tagebuchaufzeichnungen zu interessanten Reiseberichten ("Wanderungen in Westafrika", "Westafrikanische Studien") aus. Sie war so erfolgreich, dass Chamberlain ihren Rat in der Kolonialpolitik einholte. Ihre letzte Reise führte sie nach Südafrika, um sich während des Burenkrieges der Pflege seuchenkranker Soldaten anzunehmen. Dabei fiel sie selbst der Epidemie zum Opfer und starb mit erst 37 Jahren an Typhus. (dabu)

13.10.1862 - 3.6.1900
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    Ende des 19. Jahrhunderts war Kingsley als alleinreisende und forschende Frau eine Novität.
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