RAI: Serie über Berlusconi verboten

10. Oktober 2002, 15:25
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Keine Satiren über Italiens Ministerpräsidenten

Der italienische Sender RAI hat am Donnerstag eine satirische Serie über Regierungschef Silvio Berlusconi gestoppt, die vom täglichen Satiremagazin auf RAI 3, "Blob", gesendet wird.

"Irrwitz in Politik und Alltag"

"Blob", das aus den Fragmenten der italienischen Fernsehprogramme visuelle Kommentare "zum laufenden Irrwitz in Politik und Alltag" aufbaut, ist seit Jahren ein Kultprogramm. Der Autor des Programms, Enrico Ghezzi, hatte ursprünglich eine sechsteilige Serie von jeweils 40 Minuten mit satirischem Inhalt über Berlusconi geplant.

Die ersten drei Teile der Serie wurden in den vergangenen Tagen um 23 Uhr gesendet. Der vierte Teil wurde am Dienstag auf Anordnung des RAI-Generaldirektors Agostino Sacca gestoppt. "Dies ist keine Zensur, sondern nur eine mäßigende Initiative. Vier 40-minütige 'Blob'-Serien in einer Woche, die ausschließlich Berlusconi betreffen, sind ein bisschen zu viel. Die Italiener lieben zwar die Satire, wer eine Regierung führt, wird natürlich häufiger auf den Arm genommen. Doch ich denke, satirische Programme sollten auch andere Persönlichkeiten in den Mittelpunkt stellen", betonte Sacca.

Oppositionschef Rutelli empört

Die Streichung der restlichen Teile der Berlusconi-Serie sorgt für neuen Zündstoff in den bereits gespannten Beziehungen zwischen Regierungskoalition und Opposition. "Die Streichung der Serie ist skandalös. Die RAI übt politische Zensur aus, die man in einer Demokratie nicht dulden darf", sagte Oppositionschef Francesco Rutelli empört. Berlusconis Partei Forza Italia verteidigt den RAI-Generaldirektor. "Blob verleumdet den italienischen Staatschef und schwächt das Image des Landes. Das Programm ist eine Beleidigung für die Mehrheit der Italiener, die Berlusconi gewählt haben", so der Vizepräsident der Senatoren von Forza Italia, Paolo Barelli.

Politische Spannungen

Die RAI steht seit Monaten im Mittelpunkt politischer Spannungen. Protest löste der Beschluss des Staatsfernsehens aus, sich von zwei äußerst prominenten TV-Journalisten zu trennen, die von Berlusconi scharf kritisiert worden waren. Die Politiksendungen von Enzo Biagi und Michele Santoro wurden Anfang September aus dem Programm gestrichen. Beide Journalisten gelten als Kritiker Berlusconis und hatten mit ihren Programmen hohe Einschaltquoten. (APA)

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    Silvio Berlusconi

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