Ob jung oder alt, immer das gleiche Lied

10. Oktober 2002, 17:21
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Neue CDs von Radio 4, The Libertiners, Gordon Gano und Soft Cell

Von Christian Schachinger

RADIO 4
Gotham
(Virgin)
Das Quintett aus New York verfolgt ähnliche Ziele wie die Nachbarn von den Liars. Unter Berufung auf alte Post-Punk-Klassiker wie vor allem die britischen Agit-Prop-Popper Gang Of Four (Entertainment) will man mit den Mitteln des Rock tanzbare Musik generieren, die auf die herausgespuckte Parole setzt und dazu mit splitternden Gitarrenriffs, funkigem Rhythmusfundament und allerlei Perkussionsgeklöppel die Verhältnisse zum Tanzen bringt. Weil es heute offenbar nichts mehr gibt, auf das man vorausschauen könnte, dafür aber jede Menge historische Themenparks, aus denen man sich ungeniert bedienen kann: Radio 4 machen interessante alte Musik.

THE LIBERTINES
Up The Bracket
(Zomba)
Scheppernder Brit-Pop mit hoppertatschigen Schrammelgitarren, herzigem Gesang und historisierenden Songtiteln wie The Boy Looked At Johnny oder Radio America. Nach 37 Minuten ist alles vorbei, sind 40 Jahre Musikgeschichte mit Schwerpunkt auf die derzeit wieder angesagte "Class of 86" ohne Höhepunkte durchgearbeitet. Auch hier gilt wie bei Radio 4: Im Zweifelsfall die Originale hören. In diesem Fall zum Beispiel die unvergessenen The Wedding Present (heute übrigens als Discorama aktiv).

GORDON GANO
Hitting The Ground
Gordon Gano, das Mastermind der vor ein, zwei Jahren wiederbelebten College-Rock- und Postpubertätsklassiker Violent Femmes ("Come on, daddy, gimme the car tonight!") lässt seine ewig hinter den Ohren grünen Songs von PJ Harvey, John Cale, Lou Reed oder Frank Black interpretieren. Diese werden allerdings mit ihrem Altenbonus dem kindischen Ansatz des quengelnden Komponisten nicht ganz gerecht. Im Zweifel singt der kleine alte oder alte kleine Gordon sein Zeug selber immer noch am besten. Das macht er dann auch auf einem Drittel dieses Albums.

SOFT CELL
Cruelty Without Beauty
(Hoanzl) Es hätte ein würdiges Comeback werden sollen. Nach 18 Jahren wieder vereint ist Marc Almond und Dave Ball nach mitreißenden Liveshows im Frühjahr allerdings nicht mehr eingefallen, als alte Stärken mit neuen Schwächen zu koppeln. Zum Tragödentum alter Qualität pluckert billiger House. Bitte nicht! (DER STANDARD, Printausgabe, 11.10.2002)

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