Hamburg: Mutmaßlicher Terror-Komplize verhaftet

10. Oktober 2002, 13:59
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Verdächtiger soll Mitglieder der Terror-Zelle Attas unterstützt haben

Berlin - In Deutschland ist am Donnerstag ein weiterer mutmaßlicher Helfer der Attentäter vom 11. September 2001 in den USA festgenommen worden. Der 29-jährige Abdelghani Mzoudi wird von der deutschen Bundesanwaltschaft verdächtigt, die Selbstmordattentäter um Mohammed Atta unterstützt zu haben. Der Marokkaner soll zu den Mitgliedern der Gruppe langjährige und enge Beziehungen unterhalten und sich wie sie in Ausbildungslagern in Afghanistan aufgehalten haben.

Damit umfasst die Hamburger Gruppe der mutmaßlichen USA-Attentäter und ihrer Helfer insgesamt acht Männer. Zu der Gruppe gehören die bei den Anschlägen ums Leben gekommenen Todespiloten Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah sowie die mit internationalem Haftbefehl gesuchten Männer, Said Bahaji und Zakariya Essabar sowie den im vergangenen September in Pakistan verhaftete Ramzi Binalshibh. Gegen einen weiteren mutmaßlichen Helfer, Mounir El Motassadeq, hat die deutsche Bundesanwaltschaft im August Anklage vor dem Hamburger Oberlandesgericht erhoben.

Langjährige Beziehungen zur Terrorgruppe

Der jetzt verhaftete Mzoudi soll den Angaben zufolge langjährige enge Beziehungen zu sämtlichen Mitgliedern der Gruppe unterhalten haben. Besonders engen Kontakt habe er jedoch zu Essabar und Motassadeq gehabt. Ende 2000 habe der Beschuldigte Essabar zur Finanzierung seiner geplanten Flugausbildung in den USA Geldmittel zur Verfügung gestellt. Außerdem habe er maßgebliche Hilfe bei der Verschleierung des Aufenthaltsortes Alshehhis geleistet. So habe er ihm für die letzten Wochen in Deutschland ein Zimmer in einem Studentenwohnheim besorgt, in dem sich dieser bis zu seinem Abflug in die USA Mai Ende 2000 unbemerkt aufhalten konnte.

Im Sommer 2000 habe er sich, teilweise zeitgleich mit Essabar und Motassadeq, in Ausbildungslagern der El Kaida in Afghanistan aufgehalten. In den Lagern hatten sich auch die übrigen Mitglieder der Gruppe aufgehalten. Der Aufenthalt habe auch dazu gedient, mit den Verantwortlichen des El Kaida-Netzwerkes Einzelheiten der Anschläge sowie deren logistische Unterstützung abzustimmen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Für den engen Kontakt des 29-jährigen Marokkaners zum Kern der Zelle scheint auch zu sprechen, dass Mzoudi mit Atta, dem mutmaßlichen Kopf der Terrorzelle, zusammen wohnte und ebenso wie Montassadeq das Testament Attas unterzeichnen durfte.

Zeuge verriet Mzoudi

Erst eine Zeugenaussage im Sommer über den Aufenthalts Mzoudis in Afghanistan habe die jetzige Festnahme möglich gemacht, teilte die Behörde weiter mit. Der Beschuldigte werde am Freitag dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt.

Der Name des Verdächtigen war bereits im Sommer im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen Hamburger Islamistengruppe aufgetaucht, gegen die die Polizei im Juli vorging. Die Ermittlungen gegen diese Gruppe, die sich in einer islamischen Buchhandlung traf, liefen aber ins Leere, wie die Polizei kürzlich einräumen musste. (APA/AP)

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"Atta war so weich"
Im Oktober 2001 interviewte der SPIEGEL Abdelghani Mzoudi

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