Tränenreicher Streit um Boykott

10. Oktober 2002, 08:47
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Missen aus Schweden und Italien wollen trotz Scharia-Urteil an Miss-World-Wahl teilnehmen

Brüssel - Bei einem öffentlich ausgetragenen Streit mit zwei Konkurrentinnen um einen Boykott der Wahl zur Miss World in Nigeria ist Miss Belgien am Mittwoch in Tränen ausgebrochen. Auf einer Pressekonferenz in Brüssel warf Miss Belgien, Ann Van Elsen, ihren Mitbewerberinnen aus Italien und Schweden vor, einen Boykott abzulehnen. "Ich stimme euch überhaupt nicht zu, wenn ihr sagt, ein Boykott des Schönheitswettbewerbs habe gar keine Wirkung", rief Van Elsen aufgebracht.

Schönheitsköniginnen aus einem halben Dutzend Länder haben gedroht, der Wahl der schönsten Frau der Welt fernzubleiben, sollte Nigeria am Urteil eines islamischen Gerichts festhalten, wonach eine Frau wegen Ehebruchs gesteinigt werden soll.

Festgefahren

Ein Schönheitswettbewerb dürfe weder in diesem Jahr noch in Zukunft in einem Land ausgetragen werden, in dem die Rechte der Frauen nicht respektiert würden, sagte Van Elsen. Dagegen versicherten Miss Schweden, Sofia Hedmark, und Miss Italien, Pamela Camassa, sie würden trotz des Urteils gegen die Nigerianerin an dem Schönheitswettbewerb teilnehmen.

Die drei Schönheitsköniginnen waren gemeinsame aufgetreten, um die internationalen Menschenrechtsgruppe "Hands Off Cain" zu unterstützen, die sich gegen die Todesstrafe wendet. Die Gruppe lehnt allerdings einen Boykott des Schönheitswettbewerbs mit der Begründung ab, der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo habe sich gegen die Todesstrafe ausgesprochen.

Von der Position der Gruppe habe sie nichts gewusst, versicherte Miss Belgien, die am Ende der Pressekonferenz in Tränen aufgelöst war. Sie sei über die Veranstaltung falsch informiert worden. Die Chance, dass sie während des Wettbewerbs ihre Kritik anbringen könne, sei sehr gering, sagte Van Elsen. "Ich werde ein viel größere Wirkung erzielen, wenn ich den Wettbewerb boykottiere." (APA/Reuters)

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