Attentat auf Bus verhindert

10. Oktober 2002, 18:43
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Palästinensischer Selbstmordattentäter riss in Tel Aviv Frau mit in den Tod

Zwei Männer hielten einen Selbstmordattentäter so lange fest, bis die meisten Umstehenden sich in Sicherheit bringen konnten - in dieser Szene wie aus einem Albtraum war es eine Mischung aus Glück und Geistesgegenwart, die gestern Früh einen noch schlimmeren Ausgang verhinderte. Kurz vor acht Uhr hatte in der Nähe der Bar-Ilan-Universität bei Tel Aviv ein Mann versucht, durch den hinteren Einstieg noch in einen vollbesetzten Autobus zu gelangen, der soeben anfuhr - doch da schlossen sich die pneumatischen Türen, der Mann stolperte und fiel rücklings auf die Fahrbahn. Der Lenker und einige Passagiere wollten ihm aufhelfen und entdeckten dabei, dass er einen Sprengstoffgürtel umgeschnallt hatte.

Um die Zündung der Bombe zu verhindern, drückte Lenker Baruch Neumann den einen Arm des Terroristen gegen das Pflaster und wies einen Passagier an, den zweiten Arm zu fixieren. "So haben wir allen Zeit gegeben zu flüchten", erzählte Neumann danach, "die Leute sind in alle Richtungen davongelaufen." Doch der Terrorist habe mit den Füßen gestrampelt: "Wer weiß denn, womit er die Bombe zündet? Da haben wir beschlossen, gleichzeitig die Hände loszulassen und auch wegzulaufen." Der Attentäter rappelte sich auf und ging auf der Schnellstraße noch rund 30 Meter weit panisch fliehenden Passanten nach, dann kam die Explosion, mit der er eine 71-jährige Frau mit in den Tod riss, rund 30 Personen wurden leicht verletzt.

Ein Bekenntnis zu dem Anschlag wurde zunächst nicht veröffentlicht, Hamas-Funktionär Abdel-Asis Rantissi wurde mit der Bemerkung zitiert, dass "der Feind in Tel Aviv nicht sicher sein wird, solange die Palästinenser in Khan Yunis nicht sicher sind." Bei einem israelischen Vorstoß in die als Hamas-Hochburg geltende Stadt im südlichen Gazastreifen waren in der Nacht auf Montag 16 Palästinenser getötet worden. Eine spezifische militärische Reaktion auf den gestrigen Anschlag wurde nicht erwartet, die Razzien und Zusammenstöße gingen zuletzt aber "routinemäßig" weiter. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.10.2002)

Ben Segenreich aus Tel Aviv
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Israelische Polizisten am Ort des Attentats

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