Geschichte der Menschheit auf den Zahn gefühlt

10. Oktober 2002, 11:21
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In Sibirien gefundene Zähne weisen starke Ähnlichkeiten mit jenen von Neandertalern auf - DNA-Analyse soll Herkunft klären

Wien - Bisher glauben eigentlich die meisten Wissenschafter, dass es der Neandertaler, bevor er vor etwa 30.000 Jahren ausgestorben ist, bei seinen Wanderungen von Europa aus nicht über Usbekistan hinaus geschafft hat. In Wien könnte bald der Gegenbeweis angetreten werden. Mithilfe der sieben ältesten in Sibirien gefundenen Menschenzähne, von denen zumindest einer mehr als 150.000 Jahre auf dem Zahnschmelz hat.

Die Relikte wurden Mittwoch vom Leiter des Instituts für Anthropologie in Nowosibirsk, Anatoli Derevianko, im Wissenschaftsministerium in Wien in die Hände von Katrin Schäfer vom Wiener anthropologischen Institut gelegt. Zwecks weiterer Studien.

Laut Schäfer wiesen die sibirischen Zähne starke Ähnlichkeiten mit jenen von in Europa gefundenen Neandertalern auf. Morphologische Untersuchungen und DNA-Analysen sollen nun die Herkunft klären. Und was, wenn es sich der europäische Neandertaler dereinst tatsächlich in Sibirien gemütlich gemacht hat? "Das hätte bedeutenden Einfluss auf unser bisheriges Verständnis für die Entwicklung des modernen Menschen", erklärt Schäfer. Erste Ergebnisse sollen im Frühjahr präsentiert werden. (fei/DER STANDRAD, Printausgabe, 10.10.2002)

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