Kirch-Bietergruppe Commerzbank/Columbia löst sich auf

9. Oktober 2002, 20:37
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Auch übrige Konsortien nicht fest gefügt

Die Commerzbankbietet nach Angaben aus Finanzkreisen nicht mehr gemeinsam mit den US-Studios Columbia für die insolvente KirchMedia, sondern will sich dem Konsortium um die Altgesellschafter der Mediengruppe anschließen. Damit gibt es nur noch drei Bietergruppen für das Kerngeschäft des früheren Medienkonzerns von Leo Kirch.

Auflösung

"Das Konsortium von Commerzbank und Columbia befindet sich in Auflösung. Diese Entscheidung ist erst am Mittwoch gefallen", hieß es am Mittwoch aus Finanzkreisen. Die Commerzbank rechne sich mehr Chancen an der Seite der KirchMedia-Altgesellschafter um die Investmentbank Lehman Brothers, dem Handelskonzern Rewe und dem saudischen Prinzen Al-Waleed aus. Vertreter des Kreditinstituts hätten bereits grundsätzliches Einvernehmen mit dieser Gruppe über den Beitritt zur Bietergemeinschaft erzielt. Lehman, Columbia und KirchMedia seien unterrichtet. Ein KirchMedia-Sprecher lehnte einen Kommentar dazu ab.

Vorschlag

Am Donnerstag will die KirchMedia-Geschäftsführung nach Angaben aus Unternehmenskreisen dem Gläubigerausschuss aus einem Kreis von bisher vier Bietergruppen ein oder zwei Konsortien vorschlagen, mit denen bei Zustimmung konkrete Verhandlungen über den Kauf des Filmrechtehandels und der Mehrheit an dem TV-Konzern ProSiebenSat.1 aufgenommen werden soll. Eine Entscheidung wird das Gläubigergremium, das seine Sitzung am Vormittag beginnt, möglicherweise schon über den separaten Verkauf des Sportrechtegeschäfts fällen.

Entscheidung über Sportrechte

"Die Entscheidung über die Sportrechte steht auf der Tagesordnung", hieß es in Gläubigerkreisen. Dabei sei es wahrscheinlich, dass das Management der Schweizer Kirch Sport AG zusammen mit dem Finanzinvestor Robert Louis-Dreyfus den Zuschlag bekomme.

Seit der Insolvenz des früheren Medienimperiums von Leo Kirch im April 2002 suchen die Sanierungsexperten Wolfgang van Betteray und Heinz-Joachim Ziems nach Käufern für die Mediengruppe. Ursprünglich sollte KirchMedia als Ganzes verkauft werden, nun werden die Sportrechte separat veräußert. Für den Rest hatten vier Konsortien verbindliche Angebote in der Spanne von 1,6 bis 2,0 Mrd. Euro abgegeben: Neben der Commerzbank und Columbia und der Gruppe der Altgesellschafter noch der französische Sender TF1 zusammen mit dem US-Milliardär Haim Saban sowie eine Gruppe der Verlage Bauer und Springer zusammen mit der HypoVereinsbank.

Die Zusammensetzung der Konsortien galt aber schon in der Vergangenheit als keineswegs fest gefügt. Es sei durchaus denkbar, dass sich die Gruppen nach der Auswahl weiter ändern könnte, wenn sich herausgefallene Kandidaten anderen Gruppen anschlössen, hieß es in verhandlungsnahen Kreisen.

Kirch Sport bei Sportrechte-Verkauf mit besseren Chancen

Bei der Vergabe der Sportrechte - unter anderem die weltweiten TV-Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und an der deutschen Fußball-Bundesliga - hätten Dreyfus und die Kirch Sport AG bessere Chancen auf den Zuschlag als das konkurrierende Angebot der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Invision, hieß es in den Kreisen. Diese agiere zusammen mit den früheren Chefs der Kirch-Gruppe, Leo Kirch und Dieter Hahn. Kirch Sport, in dessen Management auch der Ex-Fußballnationalspieler Günter Netzer vertreten ist, habe eine Summe von etwa 250 bis 300 Millionen Euro geboten und damit wahrscheinlich die höhere Offerte vorgelegt. Invision-Verwaltungsratspräsident Peter Titz hatte Ende September eine solche Größenordnung als "völlig überzogen" bezeichnet. (APA/Reuters)

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