John B. Fenn

9. Oktober 2002, 19:17
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Der Erfinder der Elektrospray-Ionisierung verbringt mit 85 Jahren täglich Stunden im Labor

Richmond - Trotz seiner 85 Jahre steht der amerikanische Chemienobelpreisträger John Fenn noch jeden Tag in seinem Labor in Richmond (US-Bundesstaat Virginia). Als ihn die Nachricht von der Ehrung erreichte, dachte er zunächst daran, ob er eine versprochene Arbeit nun bis Ende der Woche fertig stellen kann. Jan-Peter Toennies, Direktor am Max-Planck-Institut für Strömungsforschung in Göttingen, meint, das Nobelkomitee in Stockholm habe mit Fenn "genau die richtige Wahl getroffen".

"Fenns Arbeit ist unheimlich wichtig für die Biologie, die Medizin und die Umweltanalytik", so Toennies. Fenn habe "eine fundamentale Methode mit sehr großer praktischer Bedeutung" entwickelt.

Fenns Verdienste liegen im Bereich der Massen-Spektrometrie. Das ist die Kunst, einzelne Atome und Moleküle zu "wiegen", also ihre Masse zu bestimmen. In Forscherkreisen wird der Chemiker vor allem für die Erfindung und Anwendung der Elektrospray-Ionisierung gewürdigt, eine Arbeit, die er eigenen Angaben zufolge seit Anfang der 80er Jahre verfolgt. Damit werden beispielsweise Proteinlösungen in einem elektrischen Feld zerstäubt, um sie untersuchen zu können.

50-jährige Forscherkarriere

Schon 1983, als Fenn als Humboldt-Preisträger mit Toennies am Max-Planck-Institut in Göttingen forschte, ging es um Aspekte dieser Entwicklung. Im Verlauf seiner gut 50-jährigen Forscherkarriere schrieb der Chemiker mehr als 100 Arbeiten für wissenschaftliche Journale, ließ 19 Erfindungen patentieren (zum Teil mit Kollegen) und verfasste ein Buch.

Nach seinem Studium an der Yale-Universität ging der im Jahr 1923 geborene Forscher für mehr als ein Jahrzehnt in die Industrie. Ende der 60er Jahre kehrte er an seine Alma Mater zurück und blieb bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1987 als Professor für analytische Chemie in Yale. Einige Jahre später folgte er einer Einladung der Virginia Commonwealth Universität in (VCU) in Richmond, wo er seither als Forschungsprofessor arbeitet. Im Laufe der Jahre lehrte der Chemiker an der Trento Universität in Italien, der Universität von Tokio, dem Indischen Forschungsinstitut in Bangalore und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking.

Als Hobbys nennt der Nobelpreisträger "Lesen, Kreuzworträtseln und Schlafen". Er liebt Literatur von Shakespeare und Wordsworth. Seine erste Frau starb bei einem Autounfall in Neuseeland. Aus dieser Ehe und von seiner zweiten Frau stammen laut Fenn "fünf Kinder und eine ganze Mannschaft fantastischer Enkelkinder". (APA)

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    Als Preisträger Fenn die Nachricht von der Ehrung erreichte, dachte er zunächst daran, ob er eine versprochene Arbeit bis Ende der Woche schafft.

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