Ambulanzgebühr weg, Bürokratie bleibt, sagt SP

9. Oktober 2002, 19:02
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Ärzte: Gesundheitssystem ist unterfinanziert

Wien - Die Wiener Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (SPÖ) hat die Ambulanzgebühr als Symbol der schwarz-blauen Gesundheitspolitik noch einmal heftig angegriffen. Gemeinsam mit dem Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, Franz Bittner, hat sie darauf hingewiesen, dass die seit 1. Oktober geltende Neuregelung (entgegen früheren Einwänden der SPÖ) in Wahrheit eine Abschaffung der Gebühr bedeute - der Verwaltungsaufwand werde jedoch beibehalten. Außerdem sei der geplante Steuerungseffekt nicht eingetreten, behauptete Bittner.

Ärztekammer-Präsident Otto Pjeta sagte bei einer anderen Pressekonferenz, das Gesundheitssystem sei unterfinanziert - mit der Verschiebung von Mitteln und Sparmaßnahmen sei es nicht zu finanzieren. Für Pjeta ist daher eine Beitragserhöhung notwendig. Ihm schweben dabei durchschnittlich jeweils 1,50 Euro für Arbeitgeber und Arbeitnehmer pro Monat vor. Dafür müsse es einen freien und unbürokratischen Zugang zur medizinischen Versorgung, moderne Medizin für alle Bürger und eine Optimierung der Behandlungsmöglichkeiten geben, sagt die Ärtzekammer.

Im Zusammenhang mit Einsparungen bei den Medikamentenkosten zeigte sich Pjeta skeptisch. Man versuche immer wieder unter dem Titel "Sparen" zu reformieren. Dabei merke man, wie "dilettantisch" hier vorgegangen werde. Bei den Medikamenten zu sparen, heiße bei der Therapieform zu sparen. Wenn vorgeschrieben würde, dass Ärzte stets das billigste Präparat verordnen müssten, dann hieße das, alle Monate das Medikament zu ändern, weil ein billigeres auf den Markt komme. (red, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2002)

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