Österreicher in Bulgarien weiter in Haft

10. Oktober 2002, 13:13
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Ende Oktober ist Stichtag für Auslieferung des gebürtigen Kurden an die Türkei

Wien/Sofia - Eine Entscheidung im Fall Mustafa A. lässt weiter auf sich warten. Der österreichische Staatsbürger sitzt, wie der Standard berichtete, in einem bulgarischen Gefängnis ein und wartet, ob ihn der Balkanstaat an die Türkei ausliefert. Während seine Tochter ihren sechsten Geburtstag in Wien ohne Vater feiern muss, bemüht man sich auf diplomatischem Weg weiter, eine Rückkehr von A. zu ermöglichen.

"Mein Mann ist an sich sehr stark, aber er macht sich dennoch Sorgen, wie das Verfahren ausgehen wird", schildert Sibel A. die Situation. Die Frau war am 1. Oktober bei einer Gerichtsverhandlung in Bulgarien, wo es um eine Freilassung auf Kaution ging. Diese wurde abgelehnt. Bis zum 26. Oktober wird der 42- Jährige daher voraussichtlich in der bulgarischen Stadt Varna in Haft bleiben.

"Die Lage ist natürlich nicht einfach, unsere Tochter feiert am Samstag ihren sechsten Geburtstag und fragt, ob der Papa nicht mehr heimkommt", beschreibt Sibel A. weiter. Auch die wirtschaftliche Situation wird schwieriger, gesteht die Frau ein: "Derzeit nutze ich den Überziehungsrahmen aus, wenn der aufgebraucht ist, werde ich mir wohl einen zusätzlichen Kredit nehmen müssen."

Im Außenministerium betont man, "einige Schritte eingeleitet" zu haben. Die Sache sei aber heikel, da die bulgarische Justiz natürlich unabhängig sei und man keinen Einfluss nehmen könne. Bis zum 26. Oktober habe die Türkei Zeit, Bulgarien Unterlagen zu übermitteln, anhand derer über die Auslieferung entschieden wird.

Der Grund für das Interesse der Türkei an Mustafa A. liegt im Jahr 1978. Damals soll der Kurde in einen Anschlag mit einem Todesopfer verwickelt gewesen sein. Er wurde zwar freigesprochen, nach dem Militärputsch in der Türkei wurde das Verfahren aber neu aufgerollt. Der Mann flüchtete nach Österreich, erhielt Asyl und später die Staatsbürgerschaft.

Bezüglich des Anschlages gab es auch in Österreich in Übereinkunft mit der Türkei eine Untersuchung, aus Mangel an Beweisen wurde das Verfahren jedoch eingestellt. Eigentlich hätte damit auch der internationale Haftbefehl aufgehoben werden sollen, dies geschah aber offensichtlich nicht. Im September wurde Mustafa A. daher bei der Einreise nach Bulgarien am Flughafen festgenommen. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2002)

von Michael Möseneder
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