Ölpreis fällt auf Drei-Wochen-Tief

10. Oktober 2002, 15:58
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Deutlich unter 28 Dollar

London - Der Ölpreis ist am Donnerstag deutlich unter 28 Dollar gefallen, dem niedrigsten Niveau seit drei Wochen. Händler begründeten die Entwicklung mit der offenbar nachlassenden Gefahr eines baldigen Krieges der USA gegen den Irak und einer ausreichenden Versorgung mit Rohöl.

Für ein Barrel (knapp 159 Liter) der marktführenden Nordsee-Sorte Brent wurden am Nachmittag an der Londoner Warenterminbörse 27,81 Dollar und damit 31 Cent weniger als am Vortag bezahlt. Zuvor war der Preis zeitweise sogar bis auf 27,60 Dollar (28,1 Euro) gefallen.

Kriegsgefahr lässt nach

Händlern zufolge hat die Furcht vor einem Krieg gegen den Irak seit der Rede von US-Präsident George W. Bush am Montag nachgelassen. Bush hatte gesagt, dass ein Angriff nicht unmittelbar bevorstehe und die USA nicht allein gegen Irak vorgehen würden. "Der Schlüssel liegt darin, dass Bush offenbar weiterhin auf internationale Kooperation bei einer Militäraktion gegen Irak drängt", sagte Lawrence Eagles von GNI Research. Das reduziere die Gefahr einer internationalen Gegenreaktion.

Deshalb sinke der Kriegsaufschlag auf den Ölpreis. Dieser habe sich von sechs Dollar vor zwei Wochen auf derzeit etwa vier Dollar verringert, sagte Eagles. Zu der Einschätzung, dass die Kriegsgefahr geringer geworden sei, habe auch beigetragen, dass Irak der US-Regierung am Donnerstag Inspektionen jener Anlagen angeboten hat, in denen angeblich Massenvernichtungswaffen hergestellt werden.

Überschreitung der OPEC Förder- und Exportquoten

Als weiteren Grund für die nachgebenden Preise nannten Händler die anhaltende Überschreitung der Förder- und Exportquoten durch die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC). Im September wurden die offiziellen Quoten um 2,33 Mill. Barrel täglich überschritten. Entgegen des Beschlusses der Ölminister des Kartells vom 19. September, die Förder- und Exportmenge mit 21,7 Mill. Barrel täglich unverändert zu lassen, exportierten die OPEC-Länder im September 24,03 Mill. Barrel täglich.

Dies wiegt Händlern zufolge zumindest im Moment die deutlich gesunkenen Vorräte vor allem der USA auf. Deren Rohöl-Bestände sind in der vergangenen Woche nach Angaben des Energieministeriums um 4,7 Mill. Barrel auf das niedrigste Niveau seit mehr als 20 Jahren gesunken.(APA/Reuters)

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DIW

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