Kinder dürfen keinen Alkohol mehr kaufen

10. Oktober 2002, 13:42
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Verbot an unter 16-Jährige Alkohol abzugeben wird strenger - Jugendschutzgesetze sollen harmonisiert werden

St. Pölten/Wien/Linz/Innsbruck - Ein Neunjähriger, der beim Greißler "für den Papa" eine Flasche Whisky verlangt - und diese erhält. Eine 15-Jährige, die im Supermarkt wortlos ein Sixpack Bier aufs Laufband stellt - die Kassiererin sagt nichts: Szenen wie diese sollen in Österreich bald der Vergangenheit angehören. Das haben Jugendschutzverantwortliche aus allen Bundesländern am Mittwoch bei einem Treffen in St. Pölten vereinbart.

Man habe vor, sämtliche neun Landes-Jugendschutzbestimmungen zu harmonisieren, erläuterte die Gastgeberin, Niederösterreichs Landeshauptmannstellvertreterin Liese Prokop (VP): "Noch im Herbst" werde eine Expertenrunde tagen, "im Frühjahr dann" werde man die einheitliche Bestimmung vorstellen, sagte sie bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Landesräten Josef Ackerl aus Oberösterreich, Walter Blachfellner aus Salzburg und Verena Dunst aus dem Burgenland (alle von der SP).

Kein Alkohol an unter 16-Jährige

Die gesetzliche Umsetzung dann werde, so Prokop, "jedem Bundesland extra obliegen" - auch vom Zeitplan her. Von der Sache her habe man sich jedoch schon auf ein "Verbot, an unter 16-Jährige Alkohol und Tabak abzugeben" geeinigt.

Für Alfred Uhl vom Boltzmann-Institut für Suchtforschung ist das ein "im internationalen Vergleich längst überfälliger Schritt: In den meisten angelsächsischen und EU-Staaten herrscht ein Alkoholabgabe- und Handelsverbot an Jugendliche".

Die neue, einheitliche Regelung werde außerdem "das Chaos unterschiedlicher Jugendschutzgesetzbestimmungen" beenden, das den Umgang junger Menschen mit legalen Drogen in Österreich bisher kennzeichne: "In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ist derzeit nur der Alkoholausschank untersagt, in anderen Bundesländern wird etwa je nach Getränkestärke unterschieden", zählt er auf.

Bis zum Frühjahr werde man auch "Kontrollmöglichkeiten" für das Drogenverbot erarbeiten, ergänzt Eleonore Wolf von der niederösterreichischen Landesregierung. In Sachen Zigaretten sei etwa "ein Chipkarte für Erwachsene an Zigarettenautomaten" erwägenswert.

Tirol geht Extraweg

In Tirol wurde am Mittwoch indes eine Liberalisierung der Ausgehbeschränkungen angekündigt (14- bis 16-Jährige dürfen bis 1 Uhr wegbleiben). Zugleich wurden die Regelungen für die Abgabe von Alkohol und Zigaretten verschärft. Bis 16 Jahren herrscht künftig ein generelles Alkoholabgabeverbot, 16- bis 18-Jährige dürfen keine gebrannten Getränke erstehen. Die neue Regelung soll im Novemberlandtag beschlossen werden und Anfang 2003 in Kraft treten. (bri, hs/DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2002)

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