STANDARD-Rundfrage: Wie der ORF die "Jugend" sieht

10. Oktober 2002, 05:17
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"Man merkt, dass sich was tut": Spitzen der österreichischen Werbebranche über die Sonntagabend mit "offen gesagt" startende Programmreform des ORF - nach der Präsentation.

"Es wird wohl besser bleiben. Aber ich bin nicht sicher, ob es besser werden wird." Johannes Newrkla (bluetango) spielt auf das allseits plakatierte Motto der Programmreform an - "Alles bleibt besser". Bei der Präsentation "hab ich viele gute Filme wiedererkannt".

Filme blieben Bernhard Mayer (OMD) im Gedächtnis: "Alles da, was kürzlich im Kino gelaufen ist." Dass sich der ORF mehr um junge Zielgruppen kümmern will, freut ihn: "Die kamen zuletzt ein bisschen zu kurz."

Franz Alexander Späth (Mediahaus) freute sich darüber mehr, wären diese Formate nicht "so aufdringlich und vordergründig": "Wie sich 40- oder 35-Jährige 15-, 16-Jährige vorstellen." Aber: "Auch viele Werbeleute stellen sich die Jugend so vor." Positiv nimmt der oft als "Mediaguru" titulierte, inzwischen 69-jährige Experte die Betonung österreichischer Spielfilme. Sorgen macht er sich keine um den Küniglberg: Den habe schon Gerhard Zeiler mit seiner Programmreform 1995 "zur Festung gemacht, und daran war Monika Lindner nicht unbeteiligt". Sie ist heute ORF-Generaldirektorin.

Noch kein Urteil wollte Paul Schauer (Omnimedia) abgeben: "Erfolgsrezept ist die richtige Mischung". Mehr österreichische Inhalte nimmt er positiv.

Stefan Schmertzing (TBWA Wien) glaubt "nicht, dass alles besser wird". Gespannt ist er, "wie die neuen Sonderwerbeformen ankommen" - etwa Splitscreen (geteilter Bildschirm mit Programm und Werbung).

"Viele Highlights" hat Michael Nitsche (Saatchi & Saatchi) in der ORF-Präsentation entdeckt: "Man merkt, dass sich was tut."

In "Mauern, die Kreativität und Innovation behindern", sieht Raffaele Arturo (Lowe GGK) den Küniglberg, etwa in Form des ORF-Gesetzes. Dennoch sei "gelungen, die Möglichkeiten maximal auszureizen, um den Konsumenten neue Formen an Information und Unterhaltung sowie der Wirtschaft ein geeignetes Marketingumfeld zu bieten".

Harry Bergmann (Demner, Merlicek & Bergmann hält wie Lowe ORF-Etats) ist zwar Dienstagabend etwas "zu spät gekommen". Was er dennoch von der Präsentation mitnimmt, ist eine "kontinuierliche Fortsetzung" bisheriger Programmierung. "Und das ist bei Gott nicht das Schlechteste, wenn man sich die Reichweiten ansieht."

Auch Rudi Kobza (FCB Kobza) erkennt eine "Weiterentwicklung, aber keine echten Innovationen". Integrierte Vermarktung in TV, Radio, Internet - wie vom ORF propagiert - vermisst er: "Sie muss gelebt werden."

Christian Mang (Mang D'Arcy) hofft, das neue "€co" beende Schwächen bisheriger Wirtschaftsmagazine.

Wolfgang M. Herzog (Herzog's Werbeagentur) vermisste in der Präsentation Entscheidendes: "Alles gute Bestehende wurde nicht erwähnt - wie Armin Assinger oder Vera Russwurm."

Heftiger kritisiert Max Palla (Palla, Koblinger_Proximity): "Ich möchte meinen Kunden am nächsten Tag sagen: Die fünf Neuerungen bringen dir dieses und jenes. Nach der Präsentation kenne ich mich aber nicht aus. Vielleicht sollte der ORF wieder mehr mit Agenturen zusammenarbeiten." (fid/DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2002)

Ansichtssache

Teaserkampagne "Alles bleibt besser"

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