Nebelkatastrophe auf der Westautobahn: Alarmierende Details über "Raser"

9. Oktober 2002, 16:48
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Lastwagen waren trotz Nebel mit bis zu 90 Stundenkilometern unterwegs

Linz - Nach der Nebelkatastrophe auf der Westautobahn in Oberösterreich vom 30. September liegen jetzt erste Erhebungsergebnisse zu den Unfallursachen vor. Sie enthalten alarmierende Details über die "Raser", speziell unter den Lkw-Fahrern. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch bei einem "Sicherheitsgipfel" im Linzer Landhaus erörtert. Als eine der Konsequenzen schlugen die Experten vor: Lebenslanger Führerscheinentzug für besonders verantwortungslose Lkw-Lenker sowie verpflichtende Abstandwarngeräte in jedem Auto.

Massenkarambolage

Bei den Massenkarambolagen auf der oberösterreichischen Westautobahn in den Morgenstunden des 30. September waren acht Menschen ums Leben gekommen, mehr als 50 wurden zum Teil schwer verletzt. Nicht weniger als 94 Fahrzeuge waren in einander gekracht, nachdem eine plötzlich auftauchende Nebelwand die Sicht auf nur fünf Meter verringert hatte.

60 bis 90 Stundenkilometer trotz Nebel

Trotz des dichten Nebels waren, wie die Auswertung der Tacho-Scheiben ergab, manche Lkw-Lenker mit 60 bis 90 Stundenkilometern unterwegs, berichtete Verkehrsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider (S) bei in einer gemeinsamen einer Pressekonferenz mit Straßenbaureferent Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl (V) Mittwochmittag. Hiesl ergänzte, "es gab sogar welche, die während der Fahrt auch noch Zeitung gelesen haben". Auch die vorgeschriebenen Ruhezeiten waren in einer Reihe von Fällen nicht eingehalten worden.

Rigorose LKW-Kontrollen angekündigt

Haider kündigte in diesem Zusammenhang künftig noch rigorosere Lkw-Kontrollen an, "es muss aber auch Sanktionen für die Unternehmer geben, die ihre Fahrer unter Druck setzen und damit zum Rasen zwingen", so der Landespolitiker. Hiesl forderte in diesem Zusammenhang, Lkw-Lenkern, die sich besonders verantwortungslos verhalten, "zumindest für einige Jahre oder in schweren Fällen lebenslang den Führerschein zu entziehen".

Einbau von automatischen "Abstandswarngeräten"

Haider erhob eine weitere Forderung: Es müsste für jedes Auto - ob Pkw oder Lkw - verpflichtend der Einbau eines automatischen "Abstandwarngeräts" vorgeschrieben werden. Dieses Gerät ermittelt ständig den Abstand zum Vordermann und vergleicht den vorhandenen Sicherheitsabstand. "Das System kann auf die Bremsanlage zugreifen, um eine Anpassungsbremsung durchzuführen und die Motorleistung reduzieren", erläuterte Haider.

Elekronische Nebelwarnanlagen

Bei dem Sicherheitsgipfel, an dem neben den Vertretern des Landes, der Exekutive und der Autofahrerclubs auch die Autobahngesellschaft ASFINAG teilnahm, wurden auch eine Reihe von Maßnahmen für Nebelsituationen beschlossen. So werden künftig an der Westautobahn spezielle, manuell zu bedienende Nebelwarntafeln aufgestellt - zwei Pilotprojekte gibt es bereits in Oberösterreich - und es wird erstmals in Österreich ein Versuchsprojekt für elektronische Nebelwarnanlagen getestet.

Außerdem sollen die Hinweise auf "Fluchtmöglichkeiten" bei den Lärmschutzwänden noch verbessert werden, damit Unfallbeteiligte auch im Schock die Autobahn verlassen können. Auch wird geprüft, wie bei den einzelnen Autobahnabschnitten - und wiederum speziell dort, wo es Lärmschutzwände gibt - die Zufahrtsmöglichkeiten für die Einsatzkräfte erleichtert werden können. (APA)

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