Niederlande trauert um Prinz Claus

9. Oktober 2002, 16:39
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Beerdigung wird die größte Polizeiaktion sein die es in den Niederlanden jemals gab

Den Haag - Hohe Repräsentanten der niederländischen Gesellschaft haben am Mittwoch erstmals offiziell Abschied von Prinz Claus, dem am Sonntag gestorbenen Mann von Königin Beatrix, genommen. Das Parlament kam im Gedenken an den 76 Jahre alt gewordenen Prinzen zu einer gemeinsamen Sitzung beider Kammern im Rittersaal von Den Haag zusammen.

Bei strahlendem Sonnenschein und kaltem Nordwind gingen danach Volksvertreter, Minister, Spitzenbeamte, Präsidenten internationaler Gerichte und Organisationen sowie Botschafter zu Fuß zum nahe gelegenen Königsschloss Noordeinde, wo die Leiche seit Dienstag aufgebahrt ist. Die Bevölkerung kann dort von Donnerstag an direkt Abschied nehmen.

Als "Prinz Entwicklungshilfe" würdigte bei der Gedenksitzung Parlamentspräsident Frans Weisglas den Toten. Er habe sich um Unterprivilegierte überall in der Welt gekümmert, vor allem um die in Afrika. Ministerpräsident Jan Peter Balkenende bezeichnete den früheren deutschen Diplomaten als eine verbindende Kraft in der niederländischen Gesellschaft. "Jeder liebte ihn", sagte er.

Die "stille Kraft" neben Königin Beatrix

Auch als die Gesundheit ihn im Stich ließ, sei er "die stille Kraft hinter und neben der Königin" geblieben, "ein Prinz von allen und für alle Niederländer". Die im Parlament vertretenen zehn Parteien hatten in einer gemeinsamen Todesanzeige in den großen Blättern am Mittwoch das starke Band zwischen dem Prinzen und der Bevölkerung betont.

Totenwache

In der Trauerkapelle des Königsschlosses lag der Sarg mit dem Toten hinter einem großen weiß-grünen Blumenbouquet und der Standarte des Prinzen der Niederlande. Offiziere hielten die Totenwache, die am Dienstag die drei Söhne des Prinzen begonnen hatten. Ein mit Blumen geschmücktes Claus-Porträt stand neben einem Kondolenzbuch.

Die Prinz Claus-Stiftung, die zu seinem 70. Geburtstag für die kulturelle Förderung in Entwicklungsländern ins Leben gerufen worden war, will den Plan des Verstorbenen für eine Oper über das afrikanische Sahel-Gebiet weiter verfolgen. Der Prinz wollte eine fröhliche, satirische Oper über Afrika, zitierte "de Volkskrant" am Mittwoch Adriaan van der Staay vom Stiftungs-Vorstand. Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis das Projekt verwirklicht ist.

Das einzige Enkelkind des Prinzen und der Königin, die jetzt vier Monate alte Tochter Eloise von Constantijn und Prinzessin Laurentien, wird wegen der Hoftrauer noch nicht wie geplant im Oktober getauft. Der "Lichtblick für den todkranken Prinzen" war am 8. Juni zur Welt gekommen. Die Eltern, die in London leben, waren vor der Geburt vorübergehend wieder in die Niederlande umgesiedelt. Sie wollen jetzt ihren Aufenthalt in der Heimat verlängern, hieß es in Den Haag.

Zwei Stunden soll der Sarg unterwegs sein - Beisetzung am Dienstag

Zur Sicherung und Ordnung der Beisetzungsfeier am nächsten Dienstag, zu der 2000 Gäste in die Neue Kirche in Delft geladen werden und Zehntausende auf den Straßen sein werden, sollen etwa 2.700 Polizisten aufgeboten werden.

Damit würde die Beerdigung zugleich die größte Polizeiaktion, die es je in den Niederlanden gab, sagte ein Sprecher der Exekutive am Mittwoch in Den Haag. Die von Pferden gezogene Kutsche mit dem Sarg und die eskortierenden Truppen werden gut zwei Stunden unterwegs sein vom Den Haager Schloss zur Oraniergruft in der Nachbarstadt. (APA)

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