Wirtschaftskammer gegen künftige Doppelbemautung

9. Oktober 2002, 15:51
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"Unsere Produkte werden sich nach der Grenze nicht mehr vermarkten lassen"

Salzburg - Mit der Einführung der Lkw-Maut im Jahr 2004 droht in Österreich auf den bereits bestehenden Mautstrecken die so genannte Doppelbemautung, kritisierten die Wirtschaftskammern (WK) von Salzburg, Steiermark, Kärnten und die Wirtschaftskammer Österreich am Mittwoch, in St. Michael im Lungau bei einer Pressekonferenz. "Diese Belastung ist himmelschreiend", erklärte Julius Schmalz, Vizepräsident der WK Salzburg. Die Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten wurde angekündigt.

Rund 27 Cent pro gefahrenen Kilometer auf Autobahnen müssten künftig für schwere Lkw gezahlt werden. Die Sondermautstrecken für u.a. die Scheitelstrecke der Tauernautobahn (A10) oder für Abschnitte der Pyhrnautobahn (A9) bleiben aber aufrecht. Dadurch könnten die Kosten auf rund 84 Cent pro Kilometer ansteigen, rechnete Schmalz vor. Der Salzburger WK-Vize warnte vor einer Teilung des Wirtschaftraumes Österreich.

Auslöser für Standortwechsel von Firmen

Besonders betroffen von diesem künftigen Mautsystem seien Regionen, die als einzige Transportwege die schon jetzt mautpflichtigen Autobahnen befahren müssen. Der Lungau etwa weist laut Schmalz mit 10,3 Prozent die höchste Arbeitslosenrate aller Salzburger Bezirke auf. "Nur zehn Arbeitsplätze im Jahr konnten neu geschaffen werden." Es sei den Firmen eigentlich gar nicht zu verdenken, wenn sie einen Standortwechsel überlegen, hieß es.

"Unsere Produkte werden sich nach der Grenze nicht mehr vermarkten lassen", warnte Peter Mühlbacher, Wirtschaftskammer-Präsident der Steiermark. Verglichen mit den in Deutschland geplanten 15 Cent Abgabe pro Kilometer sei das Österreichische Modell eine Gefahr für die Wirtschaft. Seiner Ansicht nach ist die künftige Doppelbemautung ein "Verstoß gegen die Verfassung".

Erhöhung der Transportkosten um rund 15 Prozent

Der Leiter für Transportlogistik bei Magna Steyr, Alfons Dachs-Wiesinger, errechnete eine Erhöhung der Transportkosten um rund 15 Prozent. "Das sind rund 14 Millionen Euro - ein enormer Brocken". Mit dem Hauptabsatzgebiete vor allem in Deutschland sei man aber auf die Sondermautstrecken angewiesen.

Ähnlich sei die Situation für das südlichste Bundesland, sagte Franz Pacher, Wirtschaftskammerpräsident von Kärnten. Bei einer Exportquote von rund 58 Prozent müsse einfach vieles über die Tauernautobahn transportiert werden. Die Kombination Road-Pricing und Sondermaut würde sich bei den betroffenen Betrieben laut einer Umfrage mit rund 400.000 Euro pro Jahr zu Buche schlagen, wurde betont. (APA)

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