Wien: Babenberger Passage wird Clubbing-Location

9. Oktober 2002, 15:59
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Rathaus-Opposition war dagegen

Wien - Die Babenberger Passage in der Wiener Inneren Stadt wird zum Clubbing-Veranstaltungsort, hat der Stadtentwicklungsausschuss im Wiener Rathaus am Mittwoch gegen die Stimmen von FPÖ, ÖVP und Grünen beschlossen - die Abstimmung im Gemeinderat dürfte damit Formsache sein.

Einnahmequelle für die Stadt Wien

Zum Betreiber der Anlage wurde die "Sunshine Enterprises GmbH" erkoren, die bisher für die Veranstaltungen in der Meierei im Stadtpark verantwortlich war.

"Für Wien fallen damit Betriebskosten von jährlich 290.000 Euro weg", betonte ein Sprecher von Finanzstadtrat Sepp Rieder (S). Die "Sunshine Enterprises" erhalten einen Investitionskostenzuschuss von 254.000 Euro von der Stadt; insgesamt soll der Umbau der Anlage, die als Fußgängerunterführung den Burgring mit der Babenberger Straße verbindet, 720.000 Euro kosten.

Weitere Einnahmequelle für die Stadt: Sie erhält durch den auf 15 Jahre ausgelegten Vertrag zehn Prozent vom Nettoumsatz des Clubs, mindestens aber 1.000 Euro pro Monat.

Das Konzept von "Sunshine Enterprises" werde dem Ruf Wiens als Stadt der elektronischen Musik gerecht, so der Rieder-Sprecher. Die Befürchtungen um die Lärmbelästigung seien unangebracht, denn "das wird keine Disco, sondern eine Lounge". Aus Rücksicht auf die Anrainer wird zudem der Abgang beim Burggarten als Haupteingang genutzt.

Zwei Proteste

Die nicht amtsführende VP-Stadträtin Herlinde Rothauer kritisierte in einer Aussendung, dass die Entscheidung "gegen Bürgerwiderstände und ohne Einigung mit dem Bezirk" erfolgt sei (die Argumente, mit denen auch schon das Flex am Donaukanal verhindert hätte werden sollen, Anm.). Auch die Sorgen um ein verstärktes Verkehrsaufkommen in den Nachtstunden (an einer der Hauptknotenpunkte der Stadt, Anm.) sei "berechtigt". Der Sprecher Rieders kommentierte dazu: "Dass die ÖVP dort eine Trachtenmanufaktur will, ist klar."

Der Zuschlag für "Sunshine" bedeutet gleichzeitig eine endgültige Absage an den Direktor des Museums für Angewandte Kunst, Peter Noever, der die Passage als 'U MAK' bespielen wollte - badauern vor allem die Grünen, die sich eine kulturelle Nutzung für den Standort gewünscht hätten. Außerdem habe es bei der Vergabe an "Sunshine" an der nötigen Transparenz gemangelt. Im Büro Rieders wurden für die Ablehnung des MAK-Konzepts finanzielle Argumente angeführt: "Noever konnte nicht einmal eine Bankgarantie bringen." (APA/red)

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