Die Affäre Martin Stranzl

9. Oktober 2002, 15:34
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"Mit mir braucht keiner reden" - Der Burgenländer rechnet mit seinem Arbeitgeber 1860 München ab - Nach Verletzung wieder fit

München - ÖFB-Teamchef Hans Krankl vermisst gerade jetzt wieder - zu Zeiten von Länderspielen - den noch immer rekonvaleszenten Abwehrrecken Martin Stranzl schmerzlich. Der österreichische Legionär in Diensten des Fußball-Bundesligisten TSV 1860 München macht jedoch auch abseits des Grünen Rasens Schlagzeilen. Unter dem in Riesenlettern geschriebenen Titel "Die Affäre Stranzl" rechnet der Burgenländer in der Müchner Zeitung "tz" (Mittwoch-Ausgabe) gnadenlos mit den "Löwen"-Bossen ab.

Tacheles

Das Blatt widmete dem Thema fast eine ganze großformatige Seite. Stranzl, der für die Sechziger bisher 54 Liga-Spiele bestritten und dabei zwei Tore erzielt hat, lässt seinem Ärger freien Lauf, redet Tacheles und erhebt dabei vier Vorwürfe gegen seinen Arbeitgeber, die das frostige Klima mit dem Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser, die Gleichgültigkeit seiner Genesung, den Bruch angeblich mündlich gemachter Vereinbarungen und Vertröstung von Vertragsangelegenheiten betreffen.

Punkt 1: Frostiges Klima

Laut "tz" beklagt Stranzl, dass sich Wildmoser angeblich nicht mehr mit ihm unterhalte. "Wir grüßen uns - das ist alles. Das ist enttäuschend für mich. Wenn du oben bist, dann hast du die Schulterklopfer, die dir sagen, alles ist super. Wenn du Probleme hast, dann ist das nicht mehr so", sagt der 22-Jährige kopfschüttelnd. "Daran musste ich mich in letzter Zeit gewöhnen."

Punkt 2: Gleichgültigkeit

Zu Punkt zwei: Es heißt, Stranzl fühle sich von den Löwen-Bossen im Stich gelassen. "In den vergangenen Monaten, in denen ich wegen meiner Verletzung nicht spielen konnte, haben viele zu mir gehalten. Meine Freundin, meine Eltern, die Physio-Therapeuten. Auch aus der Mannschaft kamen aufmunternde Worte. Vom Präsidium jedoch nicht."

Punkt drei: Gebrochene Absprachen

Der neunfache ÖFB-Internationale behauptet, der Verein habe mündliche Vertragsvereinbarungen nicht eingehalten. Angeblich sei ausgemacht gewesen, dass - wenn sich Stranzls Spielweise verbessert - sein Gehalt erhöht werde. Diese Absprache sei lange vor seiner Blessur mit den Löwen-Machern getroffen worden. "Es hat zu viele Enttäuschungen gegeben. Wenn jemand sein Wort gibt und es nicht hält, ist das enttäuschend. Es ist einfach nicht so eingetreten wie es ausgemacht war." Und selbstkritisch: Er ärgert sich darüber, dass "ich keine der Vereinbarungen schriftlich festgehalten habe."

Punkt vier: Vertröstung

Stranzl soll sich auch in Vertragsangelegenheiten vertröstet fühlen. Hintergrund: Der Kontakt läuft zum Saisonende aus, bis 30. April hat der Klub die Möglichkeit, eine Option für zwei weitere Jahre zu ziehen. Das sei bisher nicht geschehen. "Ich will über Vertragsdinge nicht reden, es ist schon genug vorgefallen. Eigentlich hätte man ganz normal mit mir umgehen können, aber das war nicht der Fall. Jetzt überlasse ich alles meinem Berater. Mit mir braucht keiner mehr zu reden."

Reden will Stranzl nicht mehr, Fußball spielen dagegen schon. Noch diese Woche soll er erstmals in einem Freundschaftsspiel in Neuburg wieder kicken, am Wochenende für die Amateure antreten und sein Liga-Comeback auf Schalke geben wollen. "Wenn alles passt bin ich gegen Schalke vielleicht im Kader. Das wäre schon ein Schritt nach vorne", sagt der Defensiv-Mann.(APA)

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    Stranzl ist wieder fit und hofft dem Kader für das Schalke-Spiel anzugehören

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