And the winner is: Jimmy Carter

11. Oktober 2002, 17:21
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Ex-US-Präsident für Engagement in Sachen Menschenrechte ausgezeichnet - Kritik an US-Regierung führt zu Streit im Nobelkommitee

Oslo - Der frühere US-Präsident Jimmy Carter ist Träger des diesjährigen Friedensnobelpreises. Das norwegische Nobelkomitee begründete seine am Freitag in Oslo bekannt gegebene Entscheidung mit dem jahrzehntelangen, unermüdlichen Einsatz Carters für die friedliche Lösung internationaler Konflikte, Zugleich sei der Preis eine Würdigung seines Einsatzes für Demokratie und Menschenrechte in allen Teilen dieser Welt. Das Komitee begründete die Vergabe des Friedensnobelpreises an den früheren US-Präsidenten Jimmy Carter auch als Kritik an den Kriegsplänen des amtierenden US-Präsidenten George W. Bush.

"Kritik an der derzeitigen US-Regierung"

Der Komitee-Vorsitzende Gunnar Berge sagte nach der Bekanntgabe auf eine entsprechende Frage: "Ja, mit Blick auf die Position, die auch Carter bei diesem Konflikt einnimmt, kann und muss man unsere Entscheidung als Kritik an der derzeitigen US-Regierung auffassen." Berge sagte weiter, es sei "ein Paradoxon", dass der Friedensnobelpreis an Carter einen Tag nach der Washingtoner Ermächtigung von Bush für einen Krieg gegen den Irak bekannt gegeben werde. "Wir haben allerdings unsere Entscheidung schon vorher gefällt", sagte der Komiteevorsitzende.

Streit im Nobelpreiskomitee über Kritik an Bush

Die ausdrückliche Kritik an US-Präsident George W. Bush hat indess zu einem Streit im Osloer Nobelkomitee geführt. In Interviews distanzierten sich bereits zwei Politikerinnen des fünfköpfigen Komitees von entsprechenden Äußerungen des Vorsitzenden Gunnar Berge. Inger-Marie Ytterhorn (61) von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei und die linkssozialistische Politikerin Hanna Kvanmo betonten, Berge hätte dabei seine persönliche und nicht die Meinung des Komitees zum Ausdruck gebracht. Die Mitglieder des Osloer Nobelkomitees werden von den im norwegischen Parlament vertretenen Parteien entsprechend ihrer jeweiligen Stärke nominiert. Berge ist Sozialdemokrat.

Bush will nichts sagen

Carter selbst wollte dies in einem Interview mit dem TV-Sender CNN die Äußerungen Berges nicht kommentieren. Der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, kündigte an, es werde keine Reaktion von US-Präsident Bush zu den Bemerkungen des Nobelpreiskomitee-Vorsitzenden geben

Engagement für Menschenrechte selbst in schwierigen Zeiten

Das Komitee hob in seiner nach Bekanntgabe der Entscheidung verlesenen Begründung das Engagement Carters für die Menschenrechte, selbst zu schwierigen Zeiten des Kalten Krieges, hervor. Besonders erwähnt wurden Carters Bemühungen um eine Lösung des Nahostkonfliktes mit dem Abkommen von Camp David, das noch während seiner Amtszeit als US-Präsident abgeschlossen wurde. "Carter hat über mehrere Jahrzehnte hinweg ein einzigartiges Engagement für Frieden und Menschenrechte gezeigt", hieß es in der Begründung über das Wirken Carters nach seinem Rücktritt als Präsident im Jahr 1981.

Schon 1978 Kandidat für den Preis

Bereits 1978 galt Carter, ein Jahr nach seinem Amtsantritt, als Kandidat für den Friedensnobelpreis. Damals entschied sich das Komitee für die Vergabe an den damaligen Ministerpräsidenten Israels Menachem Begin und Ägyptens damaligen Staatspräsidenten Anwar Sadat, allerdings eben wegen des von Carter vermittelten Nahost-Friedensabkommens von Camp David.

Der Friedensnobelpreis ist in diesem Jahr mit 10 Millionen Schwedenkronen (1,092 Mill. Euro) dotiert. Im letzten Jahr hatten die Vereinten Nationen und ihr Generalsekretär Kofi Annan den Friedensnobelpreis erhalten. (APA)

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    Jimmy Carter mit Fidel Castro auf Kuba

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    "C" wie "Carter"

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    Jimmy Carters wichtigsten Friedensmissionen: Zum Vergrößern anklicken

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    James "Jimmy" Carter war von 1977 bis 1981 US-Präsident

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