Größte europäische Goldgewinnung: Weltbank verweigert Finanzierung

11. Oktober 2002, 16:51
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Das umstrittene Projekt in Rumänien ist noch nicht tot - aber die Umsetzung ist erschwert - Zwangsabsiedlungen und Zerstörung von Ausgabungsstätten und Einsatz von Umweltgift Zyanid hätte der Bau zur Folge...

Bukarest/Wien - Die Weltbanktochter IFC (International Finance Corporation) entschied, gegen eine Finanzierung für das umstrittene Goldbergwerk-Projekts im rumänischen Rosia Montana. Das geplante Goldbergwerk wäre das größte in ganz Europa. So bleiben dem kanadischen Betreiber "Gabriel Resources" 250 Millionen Dollar (253 Millionen Euro) verwehrt.

Nachbartal sollte ein 600 Hektar großen Zyanidbecken werden

Das Rosia-Montana-Projekt würde Europas größtes Tagbau-Goldbergwerk sein. Durch das Vorhaben wären zwei ganze Täler vernichtet worden, die zum kulturellen Erbe Rumäniens zählen, so Greenpeace. Es sei geplant gewesen, das Nachbartal Corna zu einem 600 Hektar großen Zyanidbecken für zwei Millionen Tonnen zyanidhältigen Schlamm umzuwandeln. 2.000 Menschen hätten dabei umgesiedelt werden sollen.

Greenpeace leistete Aufklärungsarbeit

Die Entscheidung der Weltbank dürfte maßgeblich durch den breiten Widerstand vor Ort sowie durch die Aufklärungsarbeit von rumänischen und internationalen Organisationen beeinflusst worden sein. Auch Greenpeace hatte in der vergangenen Woche vor einer möglichen Zyanid-Katastrophe durch das Projekt gewarnt.

Das Projekt ist noch nicht tot - aber schwerer durchzuführen

"Das Zyanid-Projekt ist noch nicht tot. Für den Betreiber wird es jetzt aber viel schwieriger, die notwendigen Geldmittel aufzutreiben", erklärte Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster. Die Umweltschutzorganisation forderte gemeinsam mit rumänischen Gruppen, dass jetzt auch alle anderen in Frage kommenden Finanzinstitutionen und Banken die Finger von diesem Projekt lassen sollen, das "nur Umweltverschmutzung, Korruption und Armut in der rumänischen Region Alba Julia" fördern würde.

Ausgrabungen und Zwangsabsiedlungen

Rumänische Bürgerinitiativen kämpften gegen die zwangsweise Aussiedlung von 2.000 Menschen, Archäologen seien besorgt wegen der Zerstörung von wertvollen antiken Stätten. Erst vor zwei Wochen hatten rumänische Archäologen ein Mausoleum in Rosia Montana entdeckt und als eine der wertvollsten Ausgrabungen im heutigen Rumänien bewertet. Das Mausoleum liegt genau in der Kernzone des geplanten Bergbaugebietes. Rosia Montana hatte vor allem zur Zeit Kaiser Trajans große Bedeutung als Goldlieferant für Rom.

Zyanidkatastrophen

Bereits vor zwei Jahren machte Rumänien mit Zyanidkatastrophen auf sich aufmerksam. Damals waren aus dem Goldbergwerk Baia Mare in Rumänien rund 100.000 Kubikmeter mit hochgiftigem Zyanid verseuchtes Wassers ausgelaufen und über die Theiß und die Samosch bis in die Donau geflossen. Durch die Verseuchung verendeten nach Regierungsangaben allein in Ungarn 1241 Tonnen Fisch. Der entstandene Schaden wurde vom Budapester Umweltministerium damals auf umgerechnet bis zu 89,4 Mill. S geschätzt. Im März traten aus nordrumänischen Minen mehrfach Schwermetalle aus, die ebenfalls bis nach Ungarn gelangten. (APA)

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    Rosia Montana noch ganz Idylle

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    Auch Fischer in Jugoslawien sammelten nach der Zynaidkatastrophe in Rumäien im Februar 2000 zahlreiche vergiftete Fische ein

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