Serienmörder haben schlecht nachvollziehbare Motive

9. Oktober 2002, 12:59
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Serienmorde sind meist die verwirrendsten aller Gewaltverbrechen - John Douglas studierte als FBI-"Profiler" die Täter

Wien - Serienmorde sind meist die verwirrendsten aller Gewaltverbrechen. Das liegt sicherlich daran, dass der Großteil der einschlägigen Täter nicht von nachvollziehbaren Gefühlen getrieben wird. John Douglas hat für das FBI jahrelang Täterprofile erstellt und gilt als Meister seines Metiers.

Jagen und Morden

"Manipulation. Dominanz. Kontrolle. Das sind die drei Losungen gewaltorientierter Serientäter", schreibt der Amerikaner in seinem Buch "Die Seele des Mörders". Jagen und Töten sei für diese Leute das Wichtigste im Leben. Recherchen hätten außerdem ergeben, dass "praktisch alle" Serientäter aus kaputten sozialen und familiären Verhältnissen stammen.

Serienmöder sind "erfolgreiche" Täter

"Die Reise in die Gedankenwelt des Gewaltverbrechers bietet ständig neue Entdeckungen", betont Douglas. "Serienmörder sind definitionsgemäß 'erfolgreiche' Mörder, die aus ihren Erfahrungen lernen. Wir müssen uns bemühen, schneller zu lernen als sie." "Nur selten richtet ein Täter seine Wut auf das Objekt seiner Verachtung", erklärt der "Profiler". Die wirklich Verrückten seien seiner Meinung nach leicht zu fangen, "Serienmörder nicht".

Suche beginnt am Tatort

Die Suche beginnt am Tatort: "Alles, was wir dort sehen, teilt uns etwas über den Unbekannten mit", weiß Douglas, der mit berüchtigten Verbrechern im Gefängnis gesprochen hat, um bestimmte, immer wiederkehrende Verhaltensmuster heraus zu filtern. "Beispielsweise ist es unter Serienmördern verbreitet, nach der Tat eine Art 'Trophäe' vom Opfer mitzunehmen, etwa einen Ring oder eine Kette. Diesen Schmuck gibt der Mörder dann seiner Frau oder Freundin, selbst wenn diese die 'Ursache' für seinen Zorn sein sollte. Wenn er dann sieht, wie sie es trägt, durchlebt er die Erregung des Tötens neu."

"Auslöser"

Die Tat selbst findet nach einem für den Kriminellen prägnanten Ereignis oder Zwischenfall statt. Diese sind laut Douglas so sehr Teil der Dynamik von Serienmorden, dass die Beamten bei bestimmten Umständen am Tatort auf den "Auslöser" rückschließen können. Ein wichtiger Aspekt kommt der Fantasie zu. Darum kehren manche Mörder an den Ort der Verbrechen zurück, besuchen das Grab ihrer Opfer oder fertigen Fotos bzw. Videos von den Toten an. Sie wollen damit die Möglichkeit haben, "die Erregung noch einmal zu durchleben, die Fantasie auszufeilen, es wieder und wieder zu tun." (APA)

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