Abschied vom Kilometerpreis

9. Oktober 2002, 12:43
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Deutsche Bahn will mit neuen Preisen Auto- und Luftverkehr Paroli bieten - Neues Tarifsystem soll Umsatz um 100 Millionen Euro steigern

Berlin - Die Deutsche Bahn will mit ihrem neuen Preissystem trotz sinkender Tarife mehr Gewinn im Personenfernverkehr erzielen. Das erklärte Bahnvorstand Hans Koch am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung der neuen Preise. Nach Ansicht von Bahnchef Hartmut Mehdorn ist das System im Gegensatz zum jetzigen Tarifdschungel "logisch aufgebaut und für jedermann leicht nachvollziehbar". Koch bezifferte den gewünschten Umsatzzuwachs für 2004 auf 100 Mill. Euro. Der schlage - "weil wir für das System keine zusätzlichen Züge fahren" - mehr oder weniger direkt auf den Gewinn durch.

Neben der Systematisierung der Rabatte und Buchungsfristen bringt das neue System eine Abkehr vom bisherigen Kilometerpreis. Alle Tarife zusammengenommen, sinken die Bahnpreise außerhalb von Verbünden durchschnittlich um "einen einstelligen Prozentsatz", wie die für das neue System Verantwortliche, Anna Brunotte, sagte.

Auf langer Strecke billiger

Künftig wird Bahnfahren auf langer Strecke billiger: Ab etwa 180 Kilometer Entfernung sinkt der Ticketpreis degressiv unter das heutige Niveau, bis 100 Kilometer wird er teurer - jedenfalls in Fernverkehrszügen. Der Normalpreis berücksichtigt systembedingte Vor- und Nachteile. Eine Fahrt auf der konkurrenzlos schnellen ICE-Strecke Frankfurt-Köln ist daher künftig mit 51 Euro genau so teuer wie die auf der doppelt so langen Strecke Hamburg-Berlin.

Dieser Normalpreis kann künftig in drei Stufen je nach Vorausbuchungsfrist und weiteren Bedingungen wie BahnCard, Gruppenreisen, gleichzeitige Buchung von Hin- und Rückfahrt Wochenendbindung gedrückt werden. Fast alle Verbindungen sind den Angaben zufolge auch per Internet buchbar.

Gruppen-Ermäßigungen

Besonders günstig wird Bahnfahren künftig für Gruppen bis zu fünf Personen, insbesondere für Familien. Die Bahn will damit auch im Preiskampf gegen das Auto aufholen. Mitfahrer in Gruppen bis zu fünf Personen zahlen die Hälfte. Die Vorausbuchungspreise sind kontingentiert; das heißt, sie können "ausverkauft" sein. So will die Bahn die Auslastung der Züge von zurzeit 40 Prozent nicht nur erhöhen, sondern auch von den bisher verkehrsreichen Zeiten umsteuern. Koch versprach, die Kontingente würden selbst in den Stoßzeiten des Fernverkehrs nicht unter zehn Prozent liegen. "Lassen Sie uns den Beweis antreten, dass es keine Mogelpackung ist", bat Brunotte.

Stornogebühren drastisch erhöht

Für Kritik sorgten schon vor der Veröffentlichung die bis auf 45 Euro pro Ticket drastisch erhöhten Stornogebühren. Koch und Brunotte rechtfertigten sie mit dem Argument, andernfalls würden Firmen und Reisebüros Kontingente aufkaufen. Die Preise gelten ab 15. Dezember; der Vorverkauf am Schalter beginnt am 1. November. Bis dahin will die Bahn unter anderem mit einer in großen Stückzahlen verteilten CD dem Argument entgegen treten, das neue System sei für den Endkunden letztlich auch nicht durchschaubarer als das alte. Brunotte verwies darauf, dass zumindest die Computer bis zum Vorverkaufsprogramm das neue System komplett "kennen" sollen. Bei den alten Tarifen ist das bis heute vielfach nicht der Fall; die Schalterbeamten mussten auf einem Zettel günstige Tarife ausrechnen. (APA)

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    Mit Gruppen-Ermäßigungen will die deutsche Bahn in Zukunft auch im Preiskampf gegen das Auto aufholen.

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