Staatspreis für Christoph Hein

9. Oktober 2002, 23:00
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Morak gab in Frankfurt die Literaturpreisträger 2002 bekannt

Frankfurt - Bei der Eröffnung des Österreichstandes auf der Frankfurter Buchmesse gab Kunststaatssekretär Franz Morak am Mittwoch die Literaturpreisträger für das Jahr 2002 bekannt. Der mit 22.000 Euro dotierte Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur geht an den deutschen Autor Christoph Hein, der Staatspreis für Kulturpublizistik (7300 Euro) an den Theologen Adolf Holl, der Förderungspreis für Literatur (7300 Euro) an Raoul Schrott. Inge Merkel und Reinhard P. Gruber erhalten die Würdigungspreise (je 11.000 Euro).

"Hein ist ein Romancier und Dramatiker von europäischem Format, der es versteht, unsere Welt in große Literatur zu verwandeln", meinte Morak. Der 1944 in Schlesien geborene "Chronist", wie sich Hein selbst bezeichnet, wurde sowohl für seine Beschreibung der "Welt von gestern" als auch für seine "nüchterne und ernüchternde Beschreibung der Gegenwart", die er zuletzt in seinem Roman "Willenbrock" seinem Scharfblick unterzogen habe, ausgezeichnet.

Adolf Holl, der seit seiner Enthebung vom katholischen Lehramt als Schriftsteller und freier Publizist tätig ist, habe "uns unendlich kluge, kenntnisreiche und kontroversielle Bücher geschenkt", so Morak.

Inge Merkels Romane würden als unberührt von literarischen Moden oder dem Zeitgeschmack gelten: Morak verwies auf Hilde Spiel, die vermerkte, dass hier ein Werk vorliege, das sich mit den großen Fragen der Menschheit Glaube, Liebe, Tod, Schöpfung und Apokalypse beschäftige. Und Reinhard P. Gruber sei seit seinem 1973 erschienenen Buch "Aus dem Leben Hödlmosers", das als das "steirische Nationalepos" gelte, österreichweit ein Begriff.

Raoul Schrott schließlich wird für sein sehr vielfältiges Schaffen ausgezeichnet: "Der Dichter, Erzähler, Essayist und Übersetzer ist in der griechischen Antike und der Dichtung der Sumerer genauso zu Hause wie im Mittelalter der Troubadoure, im Dadaismus oder Surrealismus." Wann die Preise übergeben werden, steht noch nicht fest.

In seiner Rede kündigte Morak zudem an, mit einem internationalen Literaturfestival Berlin - Wien im September und Oktober 2003 "eine weitere Initiative für zeitgenössische Literatur" setzen zu wollen: "Dieses Lesefestival, bei dem international renommierte Autoren mehrere Tage lang aus ihrer Lyrik, Dramatik und Prosa vortragen, hat Berlin im vergangenen Jahr zur Welthauptstadt der Literatur gemacht." Die Anregung, dieses Festival nach Wien zu bringen, stammt übrigens von Hans Gratzer, dem designierten Direktor des Theaters in der Josefstadt. (trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 10.10.2002)

Historie
Preisträger 1992-2002

1992 Salman Rushdie (Großbritannien)
1993 Tschingis Ajtmatow (Kirgisien)
1994 Inger Christensen (Dänemark)
1995 Aleksandar Tisma (Serbien)
1996 Jürg Laederach (Schweiz)
1997 Antonio Tabucchi (Italien)
1998 Dubravka Ugresic (Kroatien)
1999 Peter Esterhazy (Ungarn)
2000 Antonio Lobo Antunes (Portugal)
2001 Umberto Eco (Italien)
2002 Christoph Hein (Deutschland)
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    Christoph Hein

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