Arbeiterkammer: Prämienabsprachen bei Versicherungen

9. Oktober 2002, 14:03
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Prüfung gefordert - Quersubventionierung bei Kfz-Haftpflichtprämien vermutet

Wien - Die Arbeiterkammer (AK) vermutet ein "abgestimmtes Verhalten bei der Prämienfestsetzung" von Autoversicherern und fordert daher eine Überprüfung der Versicherungsbranche durch die Bundeswettbewerbsbehörde. Außerdem würden Pkw-Lenker mit ihren Versicherungsprämien für die Schäden von Lkw mitzahlen. In der Folge müssten Verbraucher überhöhte Prämien zahlen, beklagt die AK in einer Aussendung am Mittwoch.

Unfallstatistiken würden zeigen: Während von 1.000 haftpflichtversicherten Pkws nur jeder zehnte in einem Unfall verwickelt ist, ist es jeder zweite Lkw. "Somit verursachen nur 10 Prozent der Pkw einen Schaden, aber 50 Prozent der Lkw", so die AK.

Hohe Marktkonzentration

Die Versicherungsbranchen weise eine der höchsten Marktkonzentrationen auf, ergab die regelmäßige Marktbeobachtung durch die AK. Demnach dominierten in der Krankenversicherung drei Unternehmen den Markt - Uniqa, Wiener Städtische und Merkur - dominiert, die zusammen über 80 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaften. Auch in der Kfz-Haftpflichtversicherung haben die vier größten Anbieter - Generali, Wiener Städtische, Allianz, Uniqa - einen Marktanteil von mehr als 70 Prozent. Wenn nur noch einige wenige den Markt beherrschen, könnten Marktabsprachen zu Lasten der Konsumenten nicht ausgeschlossen werden, so die AK.

Die AK, zu deren erklärten Zielen der Kampf gegen "Marktmissbrauch" gehört, fordert "endlich Kostenwahrheit auch bei den Versicherungen" und habe daher die Ergebnisse ihrer Marktbeobachtung dem Generaldirektor der Bundeswettbewerbsbehörde, Walter Barfuß, übermittelt. Die neue Bundeswettbewerbsbehörde solle die Branche unter die Lupe nehmen und einen funktionierenden Wettbewerb sicherstellen, sagt die AK.

Versicherungen weisen Vorwurf zurück

Die heimische Versicherungswirtschaft weist Vorwürfe der Arbeiterkammer (AK) energisch zurück. Diese Vorwürfe seien "Schwachsinn", sagte der Sprecher des Versicherungsverbands, Gregor Kozak, am Mittwoch.

Die Prämien bei den Autoversicherungen seien "insuffizient" und somit nicht kostendeckend, meinte Generali-Vorstand und Vorsitzender in der Sektion Kfz im Versicherungsverband, Bruno Friedl. Ein Blick auf die höchst unterschiedlichen Konditionen und Leistungen der Assekuranzen zeige, dass hier keine Absprachen geben könne. Einer von der AK angeforderten Überprüfung blicke er "sehr gelassen" entgegen.

(APA)

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