Kostunica gegen Labus

9. Oktober 2002, 11:33
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Erstes TV-Duell der serbischen Geschichte

Belgrad/Wien - Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica und Vizepremier Miroljub Labus bestreiten am Sonntag die Stichwahl um das Amt des serbischen Präsidenten. Nach dem ersten Durchgang vor zwei Wochen wird Kostunica favorisiert, da er wahrscheinlich auf die Stimmen der Wähler nationalistischer Kandidaten zählen kann, die bei der Entscheidung nicht mehr dabei sind. Mittwoch Abend stand das erste TV-Duell zweier Präsidentschaftskandidaten in der Geschichte Serbiens auf dem Programm. Im Folgenden Kurzporträts der beiden Kandidaten:

VOJISLAV KOSTUNICA wurde 1944 in Belgrad geboren. Er promovierte an der juristischen Fakultät in der jugoslawischen Hauptstadt. Den Posten eines Universitätsassistenten musste er 1974 wegen Kritik am Entwurf zur neuen Verfassung der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien räumen. 1989 gehörte Kostunica zusammen mit dem aktuellen serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic zu den Gründungsmitgliedern der Demokratischen Partei (DS). Nach inhaltlichen Differenzen hob er drei Jahre später aber die Demokratische Partei Serbiens (DSS) aus der Taufe, die er weiterhin führt.

Als Oppositionspolitiker hatte er unter dem Regime von Slobodan Milosevic relativ wenig zu leiden. Daher wurde er vor zwei Jahren vom Parteienbündnis DOS (Demokratische Opposition Serbiens) zum Präsidentschaftskandidaten gewählt. Die kleine Partei war innerhalb von DOS für ihre nationalistischen Töne bekannt. Daher bekam sie auch Zulauf von Mitgliedern früherer Regimeparteien.

Kostunica gilt als legalistisch und gemäßigt nationalistisch. Nach einer Reihe von Unstimmigkeiten distanzierte er sich zunehmend vom DOS-Flügel um dem pragmatischen Premier Djindjic. "Unsere Politik muss proeuropäisch statt proamerikanisch sein", meint Kostunica. Er wirft der Regierung vor, die erwartete Verfassungsreform in Serbien nicht eingeleitet und auch im Justizbereich zu wenig getan zu haben. Der Privatisierungsprozess ist für ihn mit einem "Ausverkauf" des Landes gleichzusetzen. Das Duell Kostunica gegen Labus ist auch Teil des Machtkampfes zwischen Kostunica und Djindjic.

MIROLJUB LABUS wurde 1947 in Mala Krsna in Zentralserbien geboren. Er studierte ebenfalls Jus an der Universität Belgrad, wo er auch promovierte. Anschließend widmete er sich zunehmend der Volkswirtschaft. Labus ist seit Jahren führend in der Demokratischen Partei von Djindjic aktiv. Vor zwei Jahren war er einer der Gründer des Wirtschaftsinstituts "G-17" und anschließend auch der Expertengruppe "G-17 plus". Diese schlug ihn für den Posten des serbischen Präsidenten vor.

In den vergangenen zwei Jahren war der Wirtschaftsrefomer als jugoslawischer Vizeministerpräsident federführend an der Wiedereingliederung Jugoslawiens in die wichtigsten internationalen Finanzinstitutionen beteiligt. Er darf für sich verbuchen, für Belgrad erfolgreich mit dem Pariser Klub über einen Schuldennachlass um 66 Prozent geführt zu haben. "Die Annäherung an die EU ist in unserem nationalen Interesse", lautet sein Motto.(APA)

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